Wie man ein Forum kreiert – Teil 1 – Trockenübungen

Hallo!

Immer wieder stolpere ich über Internetforen, die im Großen und Ganzen nicht schlecht gedacht sind, vielleicht auch ganz nett gemacht wurden, die aber dennoch früher oder später scheitern.
Da ich mittlerweile sechs Jahre Erfahrung als Administratorin gesammelt habe und gar nicht so unerfolgreich bin wie ich sein könnte, hier ein paar Tipps an den mehr oder minder jungen Forenbetreiber.

Namen – keinesfalls Schall und Rauch!

Bevor ihr euch auf den erstbesten Betreiber stürzt und ein Forum einfach „Max Mustermanns tolles Forum“ nennt, solltet ihr einige Dinge bereits gründlich durchdenken:

  • Worum soll es in meinem Forum gehen?
  • Wen will ich mit meinem Forum ansprechen?
  • Welcher Name fasst die ersten zwei Punkte am Besten zusammen?
  • Welche Namen für das, was ich tun will, sind bereits vergeben?
  • Welche Begriffe für das, was ich zeigen will, sind noch neu und unverbraucht? Sollte ich am Besten einen eigenen Begriff dafür kreieren?

Am Ende solltet ihr hoffentlich einen Namen erhalten, der einzigartig, einprägsam und aussagekräftig ist – dann kann es bereits mit dem nächsten Schritt weitergehen:

Auch Foren brauchen ein Skelett!

 Und dieses Skelett will sorgfältig vorausgeplant sein – so kommt in der Regel kein Forum um vier Kernbereiche herum:

  • Organisatorischer Bereich
  • Bereich für das Kernthema des Forums
  • Bereich für Offtopic
  • Interner Bereich für das Forenteam

Diese vier Bereiche sind es, die in erster Linie angelegt werden sollen, am Besten jeweils auf einem seperaten Blatt Papier, damit jeder Bereich in Ruhe und separat geplant werden kann.

Zu einem Organisationsbereich gehören auf jeden Fall Ankündigungen der Administration – es bietet sich aber auch an, den Feedbackbereich sowie einen eventuellen Gästebereich und falls nötig die Forenregeln ebenfalls dort abzulegen. Dabei handelt es sich lediglich um die Mindestausrüstung eines solchen Bereichs – der jeweilige Administrator sollte im Laufe der Forenlaufzeit selbst entscheiden, welche Komponente noch hinzukommen sollen.
In den mittlerweile neun Jahren die ich im Internet surfe, habe ich von einem völlig minimalistischen Organisationsbereich bis hin zu riesigen Portalen bereits alles gesehen – leider auch Foren, denen ein solcher Bereich völlig fehlte, sodass der User nicht genau weiß, wohin und an wen sich im Zweifelsfall zu wenden wäre.

Beim Kernbereich des Forums gilt: So wenig wie möglich, so viel wie nötig. Ein User fühlt sich von einem sehr langen Forum voller Unterforen, in denen jedoch besonders zu Beginn eines Forums kein einziger Thread sein kann, abgeschreckt, da das Forum unübersichtlich und inaktiv wirkt.
In der Regel ist jede Forensoftware so angelegt, dass später benötigte Unterforen jederzeit angelegt werden können, weshalb sich gerade bei der „Geburt“ eines Forums auf das Nötigste beschränkt werden sollte.
Lässt sich das Kernthema in zwei oder mehr grundlegend verschiedene Komponenten spalten, bietet es sich an, dies auch tatsächlich mit Hilfe von zwei Kategorien auszudrücken.
Wie das aussehen kann, erkennt man beispielsweise am oben verlinkten Dialog-Forum – es ist in ein Forum zu den Glaubensinhalten selbst und in ein Forum zu den kulturpolitischen Implikationen dieser Glaubensinhalte unterteilt, sodass das Kernthema in diesem Falle zwei Kategorien einnimmt.
Mehr als allgemeine Ratschläge kann ich hier nicht geben, da die Inhalte des Kernthema-Forums vom Kernthema selbst abhängen und die beste Lösung sich daher von Forum zu Forum unterscheidet.

Der Offtopic-Bereich sollte auf jeden Fall viel weniger Foren enthalten als der Kernbereich, da er sonst schnell den Kernbereich in den Untergrund drängt und das Forum zu einem Plauderforum wird, was in der Regel nicht im Sinne des Betreibers war – sofern er nicht gerade ein Plauderforum beabsichtigt hat ;-).
Wichtig ist, dass er zwei grundlegende Bereiche hat, ohne die ein Forum kein Sozialleben entwickeln kann: Einen Vorstellungs- und einen allgemeinen Plauderbereich.
Ein Unterforum für Vorstellungen halte ich für wichtig, da hier die neuen User ein paar Zeilen über sich selbst schreiben können. Dadurch lernen die Alteingesessenen die Neuen bereits etwas kennen und können über Begrüßungen im Forum und Nachfragen zur Person erste soziale Kontakte knüpfen. Zwar werden diese im Internet oft unterschätzt, aber gerade in einem in der Regel anonymen Raum wie einem Forum ist es wichtig, die Person hinter dem Rechner wenigstens oberflächlich zu kennen um überhaupt Lust zu verspüren, mit dieser eine fachliche Diskussion anzuknüpfen. Außerdem stärken „Freundschaften“ in Foren den Gruppenzusammenhalt und vermitteln ein Zusammengehörigkeitsgefühl, selbst wenn man verschiedenen Lagern angehört.
In einem Plauderbereich können nun Geburtstagsglückwünsche ausgesprochen, Rezepte getauscht oder Bücher besprochen werden. Selbst wenn in den fachlichen Diskussionen für den einzelnen User nichts dabei ist, kann er durch Neuigkeiten in den Plauderthreads länger im Forum gehalten werden und bekommt nicht zwingend das Gefühl, es wäre nichts los.

Selbst wenn man als einzelner Administrator und Alleinherrscher anfängt, kann es nicht schaden, schon mal ein internes Forum für das Forenteam anzulegen. Wie man das strukturiert, ist jedem Administrator selbst überlassen – die Struktur sollte jedoch übersichtlich und dem Zweck angepasst sein.

Regeln – auch im Internet

Überall im Internet gibt es Regeln, an die man sich halten muss – so auch in einem Internetforum. Dabei dienen Regeln dort gleich mehreren Zwecken:

  • Regeln des Umgangs der User miteinander – schließlich soll es freundlich und zivil im Forum zugehen
  • Absicherung des Admins – wenn ein User etwas Gesetzeswidriges tut, sollte nicht der Admin zur Verantwortung gezogen werden
  • Schaffung von klaren Verhaltensrichtlinien – wenn alle wissen, was erlaubt, erwünscht oder verboten ist, ist es für alle Beteiligten einfacher, sich daran zu halten
  • Vermeidung von Streit zwischen Usern und Forumsleitung – dies wird nie zu 100 % funktionieren, aber ein klares Regelwerk kann vor Machtmissbrauch seitens der Moderatoren schützen und den Usern unmissverständlich aufzeigen, wann sie Recht haben – oder wann nicht

Dazu ist es wichtig, dass die Regeln selbst mehreren Kriterien genügen. So müssen sie mit so wenigen Punkten wie möglich auskommen und in einer klaren Sprache geschrieben sein. Dazu gibt es einige wichtige Punkte, die man in allen Forumsregeln mehr oder weniger ähnlich findet:

  • Abtretung der Nutzungsrechte an den Beiträgen an die Seitenbetreiber – dabei handelt es sich nicht um die Urheberrechte, die weiterhin bei den Usern verbleiben. Ein solcher Passus kann aber vor Usern schützen, die eventuell die Löschung aller eigenen Beiträge verlangen – einzig und allein, um dem Administrator zu schaden
  • Anmerkung, dass nur kreative Eigenschöpfungen und Beiträge, von denen auf die Identität eines Users geschlossen werden kann, gelöscht werden müssen
  • Das Distanzieren der Administration von den Beiträgen der User
  • die Anmerkung, dass die Mitgliedschaft im Forum kostenlos ist – gerade forumsunerfahrene User schrecken oft vor der Registrierung zurück, da sie sich vor versteckten Kosten fürchten
  •  Informationen zur Registrierung
  • Verbot von Mehrfachanmeldungen
  • Datenschutzversicherung – der Administrator verpflichtet sich, die E-Mail-Adressen und Daten der User nicht weiterzugeben
  • Eine Liste von im Forum nicht erlaubten Aktivitäten
  • Anmerkung, dass die Regeln jederzeit geändert werden können

Weitere Regeln sollten nach Bedarf und abhängig vom Forum formuliert werden. Auch hier wäre es wichtig, sie erstmal auf dem Papier oder in einem Textdokument zu entwerfen und von mehreren Leuten gegenlesen zu lassen, bis die Regeln eindeutig und verständlich sind.

Das war die Vorarbeit – im zweiten Teil wird erklärt, wie mit all den Vorbereitungen weiter verfahren werden soll.

V.Lady

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4 Gedanken zu “Wie man ein Forum kreiert – Teil 1 – Trockenübungen

  1. Hallo Lady, Strickfüchsin hier 😀

    Ich selbst habe ja auch ein Forum (bzw. mehrere) und kann den angesprochenen Punkten nur zustimmen – fängt schon beim Forennamen an, denn wie häufig lese ich „Mein tolles Forum!“ oder „Das Forum für ALLES!“ und man findet nur zwei Kategorien vor.

    Wirklich guter Wegweiser, hat mir sehr gefallen, wird „Neulingen“ bestimmt weiterhelfen.

    Karpav0li

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