Lesbarkeit vs. Wiedererkennungswert – warum manche Blogger nicht loslassen können

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19. Oktober 2013 von Evanesca Feuerblut

Ich habe schon mal über Designfragen bei Foren gebloggt – nun kann man aber natürlich auch den Blog ausschmücken.

Wie manche Leser wissen, bin ich als Moderatorin in einem Bloggerforum unterwegs. Und dort ist mir eine sehr interessante Tendenz aufgefallen: Manche Blogger weigern sich schlicht, unleserlich oder unruhig wirkende Designelemente zu vereinheitlichen. Wieso? Weil es ihren Wiedererkennungswert schmälern würde.
Ist schlechte Publicity auch bei Blogs gut?
 
Auch wenn es auf den ersten Blick sehr oberflächlich klingt: Ob ein Blog dauerhaft Leser gewinnen kann oder nicht, hängt leider erst sekundär von den Inhalten ab – an erster Stelle steht für sehr viele Leser das Äußere eines Blogs.
Das liegt an mehreren Dingen: Zum einen gibt es Millionen, wenn nicht Milliarden von Blogs im World Wide Web – je nachdem, wie viele Sprachen man beherrscht, hat man auf ein kleineres oder größeres Stück vom Kuchen Zugriff. Somit ist der Konkurrenzdruck der Blogs untereinander sehr groß und gerade die gängisten Themen der Blogosphäre sind tausendfach abgegrast. Wenn ich also aus einer immensen Anzahl an beispielsweise Bücherblogs auswählen kann, welche davon ich lese, werde ich nicht zuletzt auch den Blog auswählen, der mich optisch anspricht.
Zum Anderen ist das Lesen langer Texte am Bildschirm schlicht und ergreifend anstrengend und es gibt viele Designlösungen, die keinen anderen Zweck haben, als diese Anstrengung zu lindern. Während es in den 90ern noch als schick galt, möglichst knallbunte, glitzernde und animierte Webseiten anzulegen, ist heute ein schlichtes und lesbares Design viel ansprechender.
Sticht nun ein Blog schon in seiner Entstehungszeit mit einem unübersichtlichen, unruhigen oder wirren Design heraus, so wird jemand der schon mal auf dem Blog war, den Link nicht so schnell wieder anklicken. Denn man denkt als Leser automatisch „Ach ja, Blog XY war ja der mit den fünfzig Schriftarten und der mittigen Formatierung, da gehe ich gar nicht erst drauf.“ So eine Meinung aber verbreitet sich unter Umständen wie ein Lauffeuer – und dann ist Blog XY völlig verwaist.
Sollen darum alle Blogs gleich aussehen?
 
Keineswegs – selbst wenn man vorgibt, dass man nicht mehr als drei Farben + schwarz/weiß, nicht mehr als zwei Schriftarten, eine Schriftgröße und eine Ausrichtung verwenden soll, bleiben Milliarden von Möglichkeiten, ein Design zu gestalten.
Dazu kommt, dass es ausreicht, einen sauber gemachten und schön dekorativen Header zu gestalten, um den Blog zu individualisieren. Noch ein paar schlichte Hingucker am Hintergrundbild und vielleicht individuelle Social-Media-Buttons und schon wird der Leser geneigt sein, dem Inhalt überhaupt erst eine Chance zu geben.
Warum sperren sich viele Blogger, wenn es so einfach ist?
 
In der Regel tritt die Kritikresistenz bei Blogs zu recht persönlichen Themen auf – meine persönliche Theorie ist ergo, dass diese Blogger jede Kritik an ihrem Blog als Kritik an ihrer Persönlichkeit wahrnehmen.
In ihren Augen kritisiere ich ergo nicht die zu vielen Schriftarten oder den unruhigen, unscharfen Glitzerheader, sondern ihre Persönlichkeit. Gerade sehr verwundbare, unsichere Personen neigen dazu, solche angeblichen Beleidigungen scharf zu erwidern und ihre falschen Designentscheidungen bis aufs Blut zu verteidigen. Ohne zu bemerken, dass sie dabei gar nicht ihr Blogdesign verteidigen.
Was kann man dagegen tun?
Leider gar nichts – kritikresistente oder sofort beleidigte Menschen belehren zu wollen, ist etwa genauso sinnvoll und erfolgsversprechend wie das Reden zur Backsteinwand hinter dem Haus.
Im Prinzip kann man nur eins tun: Die Blogs dieser Menschen zwar nicht zu kritisieren, aber auch nicht aufzurufen. Denn aus purer Nettigkeit sich vor dem Bildschirm selbst zu quälen, hilft weder dem Blogger noch dem Leser wirklich weiter.
Lest ihr viele andere Blogs? Wie wichtig ist euch das Blogdesign anderer Blogger?
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4 Kommentare zu “Lesbarkeit vs. Wiedererkennungswert – warum manche Blogger nicht loslassen können

  1. sehr guter Beitrag!

    Gefällt mir

  2. das A&O sagt:

    Puh weiss sofort welche Art Unleserlichkeit du meinst und mir tun schon beimm Gedanken die Augen weh. Überraschenderweise scheint es aber fuer alles eine Zielgruppe zu geben und so gesellen sich die blinkenden Blogs auch gern zu den ihrigen und rosa Schnörkel zu den anderen Aehnlichen. Fuer mich ist Lesbarkeit + Usability eindeutig ein Qualitätsmerkmal. Die optische Qualitaer (mit oder ohne Anfuehrungszeichen) spiegelt sich dann auch in den Texten wieder.

    Wenn in Foren nach Feedback zum Blog gefragt wird,scheint es viel zu oft nur um Werbung zu gehen, als dass wirklich konstruktive Kritik gewünscht ist.

    Wortreiche Gruesse
    das. A&O

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    • Stimmt, die Zielgruppe scheint vorhanden zu sein. Ich bin sogar von einem Social Network wieder weg, weil dort die Kommunikation zum größten Teil daraus zu bestehen schien, anderen Usern Glitzerbilder ins Gästebuch zu klatschen. Für mich ist das nichts…
      Aber ja, wenn es optisch schon schmerzt, sind die Texte selbst selten gut – da hast du Recht.

      Ich habe auch schon erlebt, dass auf ehrliches Feedback in Foren sehr fies, gehässig und beleidigend geantwortet wird.

      LG,
      Evanesca

      Gefällt mir

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