Das ewige Thema Druckkostenzuschussverlage

2

4. März 2014 von Evanesca Feuerblut

Um ehrlich zu sein steht hinter dem Schreiben dieses Postings auch eine gute Portion Faulheit. Ich musste Jungautoren schon so oft erklären, dass DKZV eben nicht die Norm sind und man normalerweise für das Veröffentlichen, Lektorieren, Coverdesignen keinen Cent zahlt als Autor, dass… ich diesen Blogeintrag erstelle, um einfach jedes einzelne Mal darauf verlinken zu können.

Was sind Druckkostenzuschussverlage?

Die Erklärung verbirgt sich schon im Namen. Es handelt sich um Verlage, die vom Autor Geld für die Veröffentlichung ihres Buches verlangen.
Oft bieten sie für horrende Summen zusätzlich Coverdesign, Korrektorat/Lektorat und ein wenig Marketing an.
Meist locken sie die Autoren damit, dass sie „lediglich“ eine Summe im drei- bis vierstelligen Bereich zahlen müssen, um garantiert der neue Bestsellerautor zu werden.
Oft muss der Autor zusätzlich eine große Anzahl an Belegexemplaren kaufen oder beispielsweise dafür zahlen, dass der eigene Roman in der Datenbank behalten wird.

Wer fällt meist auf Druckkostenzuschussverlage herein?

Es gibt drei Arten Autoren, die auf solche Pseudoverlage hereinfallen.
Die Ahnungslosen, die Verzweifelten und die Verblendeten.
Ich habe selbst mal zu den Ahnungslosen gehört – und hatte Glück, statt bei einem DKZV „nur“ bei BoD gelandet zu sein und „nur“ ca. 40€ (plus 32€ an Datenhaltungsgebühren über zwei Jahre) bezahlen zu müssen. Weil ich bei meiner ersten Veröffentlichung 2009 keinen blassen Schimmer hatte, wie der Hase läuft und von meiner Lehrerin (die es auch nicht wusste) auf ein Angebot bei tchibo.de hingewiesen wurde, bei dem man vergünstigt einen Gutschein für eine BoD-Veröffentlichung erhalten konnte. Erst als ich einige Monate später in meinem ersten Autorenforum die naive Frage stellte „Und wie viel hast du für die Veröffentlichung bezahlt?“ erfuhr ich, dass BoD eigentlich kein Verlag ist und wie das so funktioniert…
Die Verzweifelten sind die, die schon 500 Absagen von Verlagen kassiert haben. Und auch auf sie zielen die Praktiken von DKZV-Kundenfängern ab. Denn nach 15 Absagen eine Mail mit „Ihr Manuskript ist wundervoll!“ zu erhalten, schmeichelt der Seele – und man ist fast geneigt, die 3.000€ oder mehr am Ende des Schreibens hinzunehmen und einfach zu zahlen. Es ist verständlich. Es ist menschlich. Bitte, bitte, tut es trotzdem nicht, liebe Autoren! Es gibt heutzutage billige und/oder kostenlose Möglichkeiten des Selfpublishings. Bevor ihr euch abzocken lasst, veröffentlicht besser selbst <3.

Die Verblendeten sind eine Kategorie für sich. Ich glaube, jeder Autor hat sie irgendwo in seinem Umfeld –  Menschen, die nicht kritikfähig sind, die alles, was man ihnen anmerken will mit der Begründung „künstlerische Freiheit, niemand versteht mich“ abschmettern und die oftmals auch noch zur Fraktion „Rechtschreibung ist was für Spießer“ gehören. Klingt gemein? Möglich. Aber ich habe sie erlebt, es gibt sie wirklich.
Und ganz ehrlich? In meinen Augen sind diese Menschen durch ihren Charakter bereits genug gestraft. Sie haben es schwer, Anschluss oder Freunde zu finden, da sie ihr „ich bin so toll“ nicht nur auf ihre (in der Regel weniger als mittelmäßigen) Werke, sondern auf alle Bereiche des Lebens erstrecken.
Sie ecken permanent an, indem sie für Trivialitäten absolute Bewunderung verlangen und sich wundern, wieso der Hype um ihre Person und die damit einhergehenden Tantiemen ausbleiben.
Kurz: Sie haben es auch so schon schwer.
Die Verblendung dieser Menschen muss man nicht auch noch ausnutzen, indem man sie zusätzlich finanziell schröpft – ich habe sogar schon gelesen, dass es Druckkostenzuschussverlage gibt, die ihrem Angebot ein Finanzierungsangebot über ein Kreditinstitut beilegen, um die armen Menschen zusätzlich zu ruinieren.
Und so gibt es tatsächlich Menschen, die sich für das Drucken von Werken verschulden, die nicht mal in einem Fanfiction-Forum für Kinder gerngesehen wären (und aus eigener Erfahrung weiß ich, was in solchen Foren bereits als „Qualität“ gilt – ich war mehrere Monate lang auf „Zauberhogwarts.de“ eine der Betaleserinnen und die dortige primäre Zielgruppe sind Kinder zwischen 8 und 12 Jahren. Und natürlich bewertet man auch als Betaleser Geschichten aus der Feder eines Elfjährigen anders, als die eines Erwachsenen. Wenn ich also sage: Das hätte ein Elfjähriger besser gemacht, ist das keine leere Redensart…).

Wo ist das Problem?

Eigentlich sind es gleich zwei:
Zum einen wird suggeriert, dass jeder der nächste Bestsellerautor sein kann, sofern er/sie nur das nötige Kleingeld aufbringen kann. Es geht nicht mehr um Talent, um harte Arbeit, um Zeit, Geduld und Arbeit an sich selbst. Es ist nur noch eine Frage des Geldes und ob man es auftreiben kann.
Dabei fällt man aber zwangsläufig auf die Nase, denn eine Veröffentlichung bei einem DKZV kommt nicht nur teuer, in der Regel schauen sich Verlage Manuskripte von Autoren, in deren Vita ein DKZV vorkommt, gar nicht erst genauer an. Da kann es noch so gut sein. Der Ruf ist für immer ruiniert.

Das zweite Problem ist jedoch weitaus gravierender: Immer mehr Schreibanfänger sind der Meinung, man müsse für eine Veröffentlichung zwangsläufig Geld zahlen. Sie denken, es ist normal, an die 10.000 € nur für den Druck, weitere 2.000 € für je Lektorat, Cover und Werbekosten auszugeben, um am Ende ihr gedrucktes Buch in den Händen zu halten.
In Schreibforen lese ich immer wieder die Frage, wie viel man wohl für das Veröffentlichen eines Buches zahlen muss und wo man sich da bewerben kann.
Dass die Wirklichkeit anders aussieht, erfahren diese Menschen oft nur zufällig, weil jemand so nett ist, sie aufzuklären.
Siehe meine eigene Geschichte.

Einige klärende Worte: DKZV vs. Print-On-Demand

Ich unterscheide grundsätzlich zwischen Druckkostenzuschuss und Print-On-Demand. Dieser Artikel bezieht sich ausschließlich auf Druckkostenzuschussverlage!
Print-On-Demand finde ich als solches nicht zwingend verwerflich und in einigen Fällen sogar angebracht:
– wenn ich eine limitierte Kleinstauflage für einen engen Personenkreis drucken lassen will (Vereinsschriften, Diplomarbeiten etc.)
– wenn mein Thema so eng ist, dass ich bei einem Publikumsverlag von Anfang an wenig Chance hätte und das Buch von Regionalverlagen aus Relevanzgründen abgelehnt wurde (ich weiß zufällig, dass ein Sachbuch über das Züchten winterharter Bananen auf BoD zu den Bestsellern gehört – Verlage wollten das Buch aus „Relevanzgründen“ nicht)
– wenn ich aus sonstigen Gründen bewusst nicht an einen Verlag herantreten will, beispielsweise, weil ich die volle Kontrolle über Lektorat/Korrektorat und Cover behalten möchte (so kenne ich mehrere Selfpublisher aus Überzeugung – deren Werke haben Topqualität und sie investieren Zeit, Geld und Mühe für ihre Werke)
Bestimmt gäbe es auch andere Gründe. Auf jeden Fall aber ist Print-On-Demand in der Regel sehr viel billiger, als ein Druckkostenzuschussverlag – die Kosten für eine Kleinstauflage von 24 Büchern belaufen sich teilweise bei unter 50 € (Angabe ohne Gewähr!) und sind somit oftmals in den Sonderfällen tragbar, in denen PoD eine gute Lösung darstellt.

Wenn man denn unbedingt veröffentlichen muss…

… so gibt es auch andere Plattformen. Ohne für die eine oder andere Werbung zu machen, kann man beispielsweise direkt bei Amazon kostenlos sein Werk zum E-Book (und auch Print-Book) konvertieren lassen. Ohne Kosten für den Autor.
Außerdem gibt es Communities im Stile von Bookrix, die nicht nur eine Veröffentlichung sondern auch die Möglichkeit der „Entdeckung“ durch einen Verlag bieten.
Man muss also für eine Veröffentlichung nicht einmal zwingend etwas zahlen.

Dennoch würde ich davon abraten – sollte man irgendwann doch Interesse an der Veröffentlichung bei einem Publikumsverlag haben, besteht die Gefahr, dass die Verlage jemanden mit „Self-Publishing-Vergangenheit“ gar nicht erst in Erwägung ziehen. Im Zweifelsfall hat man sich also mit einem unbedachten Schritt die ganze schriftstellerische Zukunft verbaut, zumindest unter dem Namen, unter dem man in Eigenregie veröffentlicht hat.

Edit vom 18.07.2015: Den letzten Absatz muss ich inzwischen revidieren. Es ist inzwischen möglich, als erfolgreicher Selfpublisher den Sprung in den Publikumsverlag zu schaffen oder über die Impress-Labels großer Verlage ins Printsegment überzuwechseln. Voraussetzung dafür ist allerdings natürlich eine hohe Qualität der Veröffentlichungen und, wie bereits erwähnt, Erfolg.

Natürlich gibt es auch die etwas exotische Variante, einen eigenen Verlag zu gründen und einfach über diesen seine „verkannten Meisterwerke“ zu verbreiten (wobei sich unter solchen Verlagen durchaus auch literarische Perlen finden lassen!). Dafür braucht man allerdings ein gewisses Grundkapital, einen großen literarischen Output und einen gewissen Geschäftssinn.

Edit vom 18.07.2015:
Auf „Schreibmeer“ ist ein Artikel von Tinka Beere zu diesem Thema erschienen, den ich euch nicht vorenthalten will: *klick*

Edit vom 13.03.2016:
Ich habe Teile des Blogposts grundlegend umgeschrieben. Besonders weiter oben gibt es von meiner Seite zusätzliche Ausführungen zum Thema „Wen ködern DKZVs besonders häufig“ und eine persönliche Geschichte zum Thema „Print on Demand“.

Advertisements

2 Kommentare zu “Das ewige Thema Druckkostenzuschussverlage

  1. Julia sagt:

    Ach ja, ein Thema, bei dem man sich wirklich den Mund fusselig reden kann. Wobei ich so langsam genervt darauf reagiere, denn viel zu oft entdecke ich ein Manuskript, das bei unserem Verlag mit fundierter Begründung abgelehnt wurde, später unverändert bei einem Zuschussverlag. Es ist halt einfacher, für das eigene Buch grössere Summen auf den Tisch zu legen (und hinterher über den Betrug zu jammern), als sich mit berechtigter Kritik auseinanderzusetzen und sich einzugestehen, dass das Manuskript für eine Veröfentlichung schlicht nicht gut genug ist. Autoren, denen mit ihrem ersten (geschriebenen) Manuskript der grosse Wurf gelingt, sind genauso selten wie ein Mozart in der Musikgeschichte, denn auch Schreiben will gelernt und geübt sein. Aber dass es deshalb durchaus angebracht wäre, dass der erste (und ev. auch der 2. und 3.) Roman am besten in der Schreibtischschublade bleibt, ist schwer vermittelbar. Insofern ist es nur logisch, dass diese Schwäche ausgenutzt wird…
    Immerhin hat die Sache auch ihre vergnüglichen Seiten, wie dieses Experiment zeigt: http://www.spiegel.de/kultur/literatur/bezahl-verlage-die-schoensten-seiten-des-schwachsinns-a-645279.html

    LG, Julia

    Gefällt mir

    • Und wie man das kann… -.- Sogar in Foren, die sich, wie bereits erwähnt, explizit als Schreib- und Literaturforen ansehen, kommt es vor, dass jemand ganz euphorisch postet: „Ja, der n-Verlag nimmt mein Maunskript! Ich muss auch nur Summe X dafür zahlen!“ So oft kann ich mich gar nicht facepalmen, wie ich gern würde…
      Args… 😦 Ich kann verstehen, dass dich das frustriert – vor allem weil, wie ich oben dargelegt habe, heutzutage jeder kostenlos zum Selfpublisher werden kann. Es gibt – wenn man sein „Meisterwerk“ schon unbedingt veröffentlichen will/muss so viele kostenlose Varianten, bei denen eben NICHT Tausende von Euros fließen müssen…
      Ich weiß noch, wie mein Erstling nach neun Monaten fertig war – und ich überarbeite ihn seit mittlerweile drei Jahren wieder regelmäßig, damit er irgendwann verlagsfertig wird beziehungsweise war das Erste, was ich am Tag nach der Fertigstellung getan habe:
      Manuskript ausdrucken, Fineliner nehmen und Dinge bei Kapitel 1 anstreichen, die ich neun Monate später besser/anders gemacht hätte….
      Es gehört eine gewaltige Portion Naivität dazu, einfach den Urentwurf an einen Verlag zu schicken und ein großer Mangel an Auseinandersetzung mit dem Buchmarkt. Das beobachte ich – mal wieder – gerade jetzt wieder in einem Forum für Schreiber.
      Danke übrigens für den Link :). Spontan musste ich an die „Abenteuer des Stefon Rudel“ denken… ^^

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Werke auf Amazon

Eine Liste aller bestellbaren Bücher aus meiner Feder auf einen Klick.

Klick hier und erhalte eine Mail, wenn es einen neuen Post gibt.

Schließe dich 917 Followern an

Zum Netzwerken & (Ver-)Folgen

Besucher

  • 15,154 waren schon hier!

Kategorien

Archive

Für mehr Vielfalt in der Literatur!

#WeNeedDiverseBooks

Gegen Rechts


Eine Aktion von der Buchmaid.

Das liest E. Feuerblut

#WriYoBo 2017

%d Bloggern gefällt das: