Feedback – keine Macht dem Konkurrenzneid

Manchmal bekomme ich die Frage gestellt, wieso ich eigentlich „meine Zeit verschwende“, um meinen Mitmenschen zu erklären, was an ihren Texten (noch) nicht stimmt und was sie besser machen können. Schließlich seien das doch meine „Konkurrent*innen“ und indem ich ihre Texte besser mache, bleiben weniger Käufer*innen für meine eigenen übrig.

Es stellt sich also für diese Mitmenschen die große Frage, warum ich als Autorin auch die Texte anderer Autor*innen korrigiere und mit den Verfasser*innen an ihnen arbeite.

Wenn meine Textkritik gut ankommt und andere weiterbringt, fühle ich mich glücklich. Autor*innen sind keine Konkurrent*innen – für jedes Buch gibt es eigene Käufer*innen und wenn wir einander helfen, dann erschaffen wir eine vielfältige Literaturlandschaft.
Man sollte als Autor*in nie jemand anderem die Textkritik versagen, weil „man seinen Konkurrent*innen hilft“, erfolgreich zu werden.
Eine gute Kritik ist eine win/win-Situation. Man lernt viel über die eigenen Fehler aus den Fehlern der anderen und umgekehrt. Freundschaften knüpfen sich und ein Netzwerk entsteht.
Textkritiken zu erstellen, schult das Auge für die eigenen (schreib)handwerklichen Fehler und schafft eine soziale Atmosphäre.

Wer schreibt, muss zusammenhalten. Es ist heutzutage so schwer, veröffentlicht zu werden, da es so viele Menschen gibt, die gut sind. Und noch mehr Menschen, die mit ein wenig Hilfe die nächsten Literaturnobelpreisträger*innen sein könnten.
Netzwerke fangen auf, machen Mut, schaffen Zusammenhalt. Und natürlich Freundschaften.

Helfe ich anderen, ziehe ich mir also keine Konkurrenz heran – ich helfe Menschen, die wunderbare Geschichten zu erzählen haben, dabei, mit diesen möglichst viele andere Menschen zu erreichen. Und ich bin unendlich dankbar, wenn ich von anderen die gleiche Hilfe erhalte.

Wie seht ihr das? Hat Konkurrenzdenken überhaupt Platz in der Literaturszene oder gehört es dringend ausgemerzt?

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2 Gedanken zu “Feedback – keine Macht dem Konkurrenzneid

  1. Ich finde dieses Konkurrenzdenken unter AutorInnen furchtbar anstrengend. Wenn jemand auf Liebesromane in Italien steht, wird er vermutlich mehrere wenn nicht alle AutorInnen in der Nische lesen. Aber selbst, wenn nicht:
    Erstens, wenn ich Leser an bessere Autoren verliere, dann weil die Texte besser sind und ich an meinen noch arbeiten muss. Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen.
    Zweitens: Was ist die Alternative? Texte anderer absichtlich schlechter machen? Jemandem nicht helfen, weil man Angst hat, der andere könnte dadurch besser werden? Ganz ehrlich: Wer solche Gedankengänge hat, sollte einmal in sich gehen. Es gibt genug Platz für alle Bücher und die Welt ist ein schönerer Ort, wenn wir zusammenhalten und uns gegenseitig unterstützen, statt neidisch auf die Verkaufszahlen anderer zu schielen. Das Leben ist zu kurz für Missgunst.

    Gefällt 2 Personen

    1. Exakt. Je kleiner eine Nische ist, desto wahrscheinlicher ist es sowieso, dass Leser*innen ALLES abgreifen, was es in der Nische gibt, einfach weil so wenig da ist. Kenne ich aus Erfahrung, wenn ich nach Vampirromanen suche, die nicht Romantasy/Mysteryromance sind und dann auch das nehme, was eigentlich eher mittelmäßig ist, weil ich mich freue, überhaupt was zu finden 😀
      Und ja, man kann Leser*innen auf verschiedene Weisen verlieren. Weil andere Texte besser sind ist nur eine davon, es gibt so manche Autor*innen, die bei mir menschlich so untendurch sind, dass ich ihre Bücher nicht mehr anfasse, um sie nicht zu unterstützen. (Überführte Klautor*innen und andere Plagiatmenschen, Rechtsradikale – siehe meine Sidebar, etc. …) Aber ja, wenn jemand anders meine Bedürfnisse nach Geschichte xy besser erfüllt, wird gewechselt. Das ist normal.

      Die von dir angesprochene „Alternative“ ist leider genau das, was zu diesem Blogpost geführt hat. Genau das passiert nämlich leider wirklich. Systematisches 1*-Abklatschen der Konkurrenz auf Amazon, Schlechtreden gegenüber unbeteiligten Buchblogger*innen, Verweigern von Textfeedback.

      Ich sehe es genau wie du – es ist genug Markt für uns alle da ❤ und Unterstützung ist viel schöner als Neid und Missgunst.

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