Werbebanner – Was nun?

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5. Juni 2014 von Evanesca Feuerblut

Werbung ist im Internet allgegenwärtig und wir können ihr uns nicht immer entziehen – sei es, weil Addblockertools nicht mehr alles wegblocken (ihr habt bestimmt vom Addblockplus-Skandal gehört?), sei es weil wir ganz bewusst die Werbung nicht ausblenden wollen um bestimmte Webseiten zu unterstützen. Zumindest ich pflege das zu tun.
Nun treibe ich mich seit 2003 im Web herum und kann behaupten, schon so manche Trends kommen und gehen gesehen zu haben – in purem HTML in knalligen Grundfarben gehaltene Webseiten, MySpace, the rise of Facebook… aber auch die Schattenseiten. Nigeria Connection, SPAM, Pseudogewinnspiele auf Facebook (um deine Daten abzugreifen) und… Bannerwerbung.

Wieso Bannerwerbung?

An sich ist Bannerwerbung nichts Schlimmes. Im Prinzip ermöglicht Bannerwerbung erst, dass so viele Dinge im Internet sowohl für Betreiber als auch für User kostenlos sind. Und das ist auch gut so. Solange die Bannerwerbung auch wirklich nur das ist, was sie zu sein vorgibt – nämlich ganz normale Werbung für Produkte.
Klar, ich bin der Meinung, dass blinkende Werbung, die auf einmal den halben Bildschirm einnimmt und ungefragt Töne oder Videos abspielt, auch verboten gehört. Erst Recht in Zeiten des mobilen Internets, wo so ein Ding einem gerne ungefragt seeehr viele MB Turbovolumen klauen kann. Nur leider habe ich noch keinen funktionierenden Add-Blocker für Android gefunden.
Aber die ist wenigstens – in der Regel – einfache, ehrliche Werbung für irgendwelche Produkte, die ich vielleicht brauche – vielleicht aber auch nicht.
Um die geht es hier nicht.

Um welche dann?

Ich nehme an, ihr alle kennt diese blinkende, schrille Werbung mit der Aufschrift

„SUPER! Das ist kein Scherz! Sie sind unser 1.000.000ster Besucher!
Online am: xx.xx.2014 um XX.XX Uhr.
Dauer: X Sekunden
Unser Zufallssystem der möglichen Gewinner könnte Sie als möglichen Gewinner eines FANTASTISCHEN Apple Produkts ziehen.“

Um diese hier.

Nun könnte man einwenden, dass heutzutage die meisten Internetnutzer vermutlich versiert und erfahren genug sind, um nicht auf so eine Masche hereinzufallen. Oder dass die, die es trotzdem tun, doch selber schuld sind, wenn sie so dumm sind. Oder, ein Klassiker, „die Werbung kann man blocken“.
Nun sollte man bedenken, dass diejenigen, die sich ins Internet begeben, immer jünger werden. Gehörte ich 2003 mit 13 noch zu den Jüngsten im Web (auch wenn ich damals fast nur Mails schrieb und bei Wikipedia las), liegt auf manchen Webseiten der Altersdurchschnitt der User sogar deutlich unter dieser Marke.
Im L&L’s habe ich erst vor Kurzem einem User zum elften Geburtstag gratuliert und vor einigen Wochen sagte mir eine andere Elfjährige, sie wäre auf Facebook, weil „da alle wären“ (und das, obwohl man offiziell 13 sein muss, um sich zu registrieren). Mit Panfu.de und ähnlichen Angeboten gab und gibt es sogar dezidiert Webseiten, die auf eine Zielgruppe zwischen 6 und 10 abzielen. Einige Statistiken behaupten, es gäbe mehr Internetanschlüsse als Fernseher in den deutschen Haushalten (oder gibt es in Deutschland mehr Handys als Menschen? Oder Beides? Egal…) und so kann man im Prinzip formulieren, dass viele Kinder spätestens dann zum ersten Mal im Internet unterwegs sind, wenn sie halbwegs lesen können.
Theoretisch müssten nun die Eltern sich hinsetzen und den Kindern erstmal erklären, wo sie surfen dürfen, wo nicht – und vor allem sollten sie vorsichtshalber selbst einen Add-Blocker/eine Kindersicherung installieren und regelmäßig mit dem Kind über die Erlebnisse im Internet sprechen.

Schön wärs.

Als ich 13 war, hatten weder meine Eltern noch ich auch nur die geringste Ahnung vom Internet. In der Schule haben wir das Internet erst irgendwann in der Neunten behandelt (also um 2006 herum, als ich bereits Forenadmin war) und dann auch zuerst einmal HTML gelernt, bevor uns gesagt wurde: „Schaut mal, das ist Google. Auf Google könnt ihr suchen.“
Der Fail daran? Wir durften seit 2003 an meiner Schule surfen – in den Pausen und Freistunden, so viel wir wollten (sofern wir einen PC ergattern konnten), kostenlos. Klar, einige Seiten waren gesperrt (und meine Erfahrung mit diesen Sperren sagt: die Falschen), aber jeder Schüler, der nicht völlig auf den Kopf gefallen ist, konnte diese Sperren umgehen (Proxys, Ausweichen auf nicht im Filter erfasste nicht-deutschsprachige Webseiten etc.).
Zeitnahe Medienkompetenzvermittlung?
Null.

Medienkompetenz kommt vom Surfen? Ein Irrglaube…

Nur weil man im Internet unterwegs ist, heißt das noch lange nicht, dass man auch automatisch medienkompetent ist. Viele Menschen – auch in meinem Alter und jünger – kennen nur das im Internet, was sie nutzen. Und das beschränkt sich oft genug auf Facebook, einen E-Mailanbieter des Vertrauens, Youtube und vielleicht noch 9gag oder ähnliche Juxportale. Wenn es jedoch darum geht, aufzupassen, wie die eigenen Daten im Netz gestreut werden, darauf zu achten, dass man nichts Peinliches öffentlich für die ganze Welt lesbar auf Facebook postet oder dass ein sicheres Passwort weder der eigene Name noch das eigene Geburtsdatum ist… davon hat so mancher Vielsurfer nicht die leiseste Ahnung. Ich spreche aus Erfahrung.
Erwartet man von nur scheinbar medienkompetenten Internetnutzern also, dass sie schon nicht auf solche Werbung reinfallen, ist das bestenfalls naiv, schlimmstenfalls gibt das ziemlichen Ärger für den Webseitenbetreiber.

Aber wenn der die Werbung gar nicht schaltet?

Oben sprach ich von nur scheinbar medienkompetenten Internetnutzern. Aus Erfahrung als Admine weiß ich, dass für unerfahrene User grundsätzlich immer der Admin schuld ist:
– ist der Forenhoster down?
– hat man eine komische Toolbar, die seltsames Zeug einblendet?
– kann man das Forum nur noch mit dem Firefox aufrufen aber nicht mit Chrome?
– hakt es beim Tippen im Forum?
– hat man nach dem Klick auf eine Werbung einen virenverseuchten PC?
– wird man von der Forenstartseite auf Spieleseiten oder sonstige externe Sachen weitergeleitet?
Für den unkundigen User ist der Admin schuld und mit etwas Pech kann daraus eine saftige Klage werden. Bestenfalls hat man eine lange, mühsame Erklärung mit viel PN-Geschreibe vor sich… und das ist lästig.
Viele Forenuser wissen noch nicht mal, wenn es nicht gerade in der URL enthalten ist, bei welchem Anbieter man als Nicht-Selbsthoster das Forum überhaupt hat und dass man sich bei manchen Problemen direkt dorthin wenden sollte. Nicht, weil User doof sind – sondern schlicht und ergreifend, weil sie sich nie damit auseiandersetzen musste und teilweise entsprechend glauben, jeder Admin hätte sein Forum von Anfang an selbst programmiert.
Zu dieser Gruppe gehörte ich selbst mal, als ich versucht habe, aus den ganzen Anleitungen schlau zu werden, wie man ein Forum programmiert – ehe ich durch Zufall vor mittlerweile acht Jahren auf den Anbieter meines absoluten Vertrauens stieß und feststellte, dass die Realität um Welten einfacher sein kann als sie scheint. Manchmal jedenfalls.

Man könnte auch einfach einen Ad-Blocker einschalten

So einfach wie es scheint, ist es leider nicht.
Bei manchen Anbietern verstößt es gegen die AGB, den eigenen Usern den Gebrauch des Ad-Blockers zu empfehlen oder gar vorzuschrieben, wenn sie ein werbefreies Forum wollen (so beispielsweise bei meinem eigenen). Wenn man außerdem eigentlich mit dem Anbieter zufrieden ist und möchte, dass er Werbeeinnahmen erzielt, wird man schon von sich aus und freiwillig die Werbung nicht blockieren (zumindest auf den Seiten dieses Anbieters).
Außerdem sind Ad-Blocker nicht mehr das, was sie mal waren – Konzerne erkaufen sich, dass ihre Werbung ungeblockt bleibt greifen auf andere Tricks zurück, um nicht umsonst Werbegelder ausgegeben zu haben.
(Und natürlich gibt es Werbung, die sich durch keinen Blocker der Welt entfernen lässt, weil sie durch Adware und andere ungeladene Gäste auf den Rechner gekommen ist – aber von der rede ich gerade nicht).

Was bleibt also zu tun?

Aufklären. Medienkompetenz zumindest in der näheren Umgebung stärken. Viele Gespräche führen.
Den Anbieter auf gewisse Werbung aufmerksam machen und dabei unbedingt Uhrzeit, Screenshot und genaue Problembeschreibung beifügen. In der Regel reagieren die Anbieter sehr kulant.

Und wenn alles nichts hilft?

Sich nicht aus der Ruhe bringen lassen, sehr viel Geduld aufbringen und noch mehr Gespräche führen. Alles wird gut.

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6 Kommentare zu “Werbebanner – Was nun?

  1. Evy Heart sagt:

    Interessanter Artikl! Ja, in der Schule war Paint leider wichtiger als Word. Und Google. Naja.

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  2. Eigenverantwortung und die Lust am lebenslangen Lernen – das wäre ein User-Ideal. 🙂

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    • Meine User sind größtenteils alle noch jung – entweder noch Teenager oder ungefähr so alt wie ich, nur wenige sind älter.
      Da ist die Dynamik und Lernwilligkeit schön hoch, nur mit der Eigenverantwortung hapert es gerade bei den Jüngsten noch ein bisschen – aber es wird.
      Dafür kann ich bei einigen behaupten, ich wäre live dabei gewesen, wie sie erwachsen werden.
      Das ist ein sehr schönes Gefühl.

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  3. Tintenelfe sagt:

    Sehr schöner Beitrag. Mein Lieblingsabsatz: „Medienkompetenz kommt vom Surfen? Ein Irrglaube…“ Du hast sooo recht!

    Gefällt mir

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