Camp NaNoWriMo Juli 2014 – oder wie ich „MV“ überarbeitete

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1. August 2014 von Evanesca Feuerblut

Normalerweise heißt es ja immer, man soll die NaNos nutzen, um endlich mit dem Schreiben an sich anzufangen. Oder um mit einem Projekt anzufangen, das man lange vor sich hergeschoben hat. Wofür ein NaNo aber eigentlich überhaupt nicht gedacht ist? Um ein ernsthaftes, seriöses Projekt zu überarbeiten.

Wie ich erst im letzten Rückblick schrieb, hege ich für „MV“ einen recht ehrgeizigen Plan – spätestens im Dezember 2014 soll das Buch so weit fertig sein, dass ich es einem Verlag anbieten kann. Dafür musste ich es endlich überarbeiten – die Urfassung vollendete ich irgendwann im August/September 2009. Danach war ich erstmal mit dem Studieneinstieg beschäftigt und hatte kaum Zeit für Schreibprojekte.

Als ich aber endlich wieder schreiben konnte und wollte, war „MV“ das letzte Projekt, an das ich gedacht hätte. Nachdem das Erste, was ich voller Selbstbewusstsein in ein Schreibforum stellte, übel verrissen wurde, hätte ich „MV“ am Liebsten irgendwo vor dem Studentenwohnheim vergraben und den Ort vergessen.

Ich weiß bis heute nicht, was mich eigentlich dazu motiviert hat, wieder mit der Überarbeitung von „MV“ anzufangen – übrigens mit tatkräftiger Hilfe der Menschen, die mein Schreibforendebut verrissen haben. Nur… das war 2011. Zwei Jahre lang hatte ich also meinen fertigen Roman nicht mal angerührt (abgesehen davon, dass ich ihn bei zwei Umzügen hin- und hergeräumt habe).

Jetzt haben wir Juli 2014 und ich habe endlich die erste Überarbeitung von „MV“ fertiggestellt.

Wieso eigentlich erst jetzt?

Als ich das Buch angefangen habe, wollte ich sehr viel – vor allem wollte ich Dinge, die ich als größtenteils Siebzehnjährige schlicht nicht leisten konnte.

Geplant war damals ein knallharter Roman, der keine Jugendfreigabe erhalten sollte und brutale Gesellschaftskritik betreiben sollte. Es entstand ein Jugendroman für Zwölfjährige, bei dem die wenigen wirklich brutalen Szenen ungefähr so gruselig waren wie eine Lagerfeuergeschichte im Pfadfinderlager.

Seit ich das Wort „Ende“ unter den Roman getippt habe, wusste ich, dass irgendwas damit nicht stimmt und mir das Ergebnis nicht gefällt. Aber der Roman musste zwei Jahre lang halb vergessen herumliegen, bevor mir diese Fehler ins Auge sprangen. Außerdem fand ich die richtigen Betaleser, die mir teilweise seit Jahren zur Seite stehen.

Vor allem aber fühlte ich mich endlich erwachsen genug um das zu schreiben, was ich mit 17 geplant habe.

Seriöse Textarbeit bei einer Quantitätschallenge?

Doch, das geht – sogar ziemlich gut.

Ich nahm mir anfangs nur 10.000 Wörter vor. Damit musste ich rund 320 Wörter pro Tag schreiben und das habe ich beim #schreibindenmai bereits geschafft – damals aber galt es, eine neue Geschichte zu schreiben, keine bestehende zu überarbeiten.

Gezählt wurden nur die Wörter, die tatsächlich neu geschrieben wurden. Und das bei einem Roman, den ich aufgrund inhaltlicher, logiktechnischer und sprachlicher Mängel an mehreren Stellen komplett neu schreiben musste (in einigen Kapiteln wurde bestimmt 90% des ursprünglichen Texts gelöscht und neu geschrieben). Außerdem habe ich mir schon vor ca. einem Jahr eine Liste mit Kurzkapiteln/Szenen angelegt, die im Roman noch komplett gefehlt haben und noch verfasst werden mussten.

Somit hatte ich eigentlich keinen Zeitdruck, im Gegenteil. Es gab Tage, an denen ich mehrere Kapitel in einem Rutsch überarbeiten konnte und das Fünffache der Mindestwortzahl schreiben konnte. Und es gab Tage, an denen ich es mir leisten konnte, nichts zu schreiben. Außerdem hatte ich die seltene Möglichkeit, nicht wie bei NaNoWriMos üblich ganz schnell irgendwas zu tippen, sondern schon mal eine halbe Stunde über eine Formulierung zu brüten.

Dennoch habe ich meinen Wordcount zwei Mal um jeweils 1.000 Wörter anheben können, sodass er am Ende bei 12.000 Wörtern lag. Lustigerweise blieb ich auch nach dieser nachträglichen Änderung an jedem Tag über der NaNoWriMo-Kurve.

CampNaNoWriMo Evanesca

In diesem Monat habe ich mehr Kapitel überarbeitet (und neu geschrieben), als vorher innerhalb eines ganzen Jahres. Trotzdem würde ich nicht sagen, dass die NaNo-Kapitel qualitativ schwächer wären als die Kapitel davor. Aber während ich ohne Zeitdruck schon mal nach einem besonders schwierigen Kapitel eine Woche und länger Pause machen konnte, war das beim NaNo „verboten“.

Ich musste ein Kapitel nach dem anderen bearbeiten. Egal ob das nächste besonders bescheuert oder überarbeitungswürdig war. Egal ob das vorige Kapitel mich emotional ausgelaugt hat oder nicht. Ich musste weitermachen.

Höchstens Uhrzeiten jenseits von Gut und Böse konnten mich aufhalten.

Der Roman ist überarbeitet – was nun?

Es gibt mehrere Dinge, die mir beim Überarbeiten aufgefallen sind und die ich noch anpassen sollte, bevor ich den Startschuss für die Betaleser gebe:

  • Einige Kapitel enthalten Ereignisse, die in späteren Kapiteln als „nicht existent“ behandelt werden. Es wäre hier klug, vor dem nächsten Durchgang diese Ereignisse zu entfernen, da sie ohnehin nicht mehr vorkommen.
  • Einige Kapitel wurden im Datum verschoben, da zu viele Kapitel auf ein Datum fielen und das rein zeittechnisch nicht möglich war. Dadurch hat sich die Reihenfolge einiger Kapitel verschoben. Diese Reihenfolge muss ich noch anpassen.

Danach habe ich bis Dezember Zeit, mir die Meinung der Betaleser zu allen Kapiteln einzuholen, ein Exposé zu schreiben, eine Leseprobe zusammenzustellen und diese Kombination an einen Verlag zu schicken.

Und dann?

Gute Frage… Ich habe bisher immer nur Gedichte und Kurzgeschichten in die weite Welt entlassen. Wie das bei einem Roman sein wird? Ich bin nervös – wie wohl jeder Mensch in meiner Lage wäre.

Aber natürlich ist nach dem Roman vor dem Roman. Wer mich kennt, weiß: Die Liste meiner geplanten, angefangenen, geplotteten Projekte wird eher länger als kürzer. Es gibt immer etwas zu tun.

Das „G-Projekt“ ist etwa zur Hälfte fertig (quantitativ gesehen) und ich werde vermutlich verstärkt daran arbeiten, um die erste Fassung dieses Romans spätestens im Juni/Juli nächsten Jahres fertiggestellt zu haben.

Das [U]-Projekt ist zumindest so weit, dass ich ein voraussichtliches Fertigstellungsdatum für die erste Fassung des Mammutprojekts geben kann – ich tippe auf Juni/Juli 2016, bis dahin soll die erste Fassung stehen und Band 1 an die Betaleser gehen.

Und wer weiß, was noch alles dazu- oder dazwischenkommt…

Es gibt also wie immer viel zu tun.

Habt ihr Camp NaNoWriMo Juli 2014 auch gut genutzt? Habt ihr was Neues geschrieben oder ebenfalls überarbeitet? Wie viel habt ihr euch vorgenommen?

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5 Kommentare zu “Camp NaNoWriMo Juli 2014 – oder wie ich „MV“ überarbeitete

  1. Jery Schober sagt:

    Super, dass es so gut für dich lief! Ich hoffe, die Betaleser finden nicht mehr allzu viel zu bemeckern, damit du mit der nächsten Überarbeitungsrunde möglichst wenig Arbeit hast und den Roman wirklich Ende des Jahres auf die große Reise schicken kannst.
    Nervös brauchst du nicht sein, was soll schon passieren? Schlimmstenfalls findet sich kein Verlag, was zwar eine Enttäuschung wäre, aber immerhin hattest du den Mut, es zu versuchen. Und wer weiß, bei all der Arbeit und Mühe, die du hineingesteckt hast, wird sich hoffentlich ein Verlag finden, der das Ergebnis zu honorieren weiß und dir eine Veröffentlichung anbietet.
    Oh, und Pfadfindergeschichten am Lagerfeuer können durchaus gruselig sein, zumindest, wenn man so eine Horror-Phobie hat wie ich. Ich gestehe, ich hab mich schon bei einer Folge von „Mord ist ihr Hobby“ gegruselt *schäm*
    Ich bin mittlerweile sehr neugierig, um was es genau in deinem Roman geht und wie er geschrieben ist, also immer fleißg ans Werk, damit ich auch mal was lesen darf – am liebsten in der Form von „kauft Buch beim Buchhändler ihres Vertrauens“ 😉

    Ich habe im Juli NaNo nur geschrieben und die Überarbeitung eines fertigen Romans im Juli komplett ruhen lassen. Am letzten Tag habe ich die vorgenommenen 25k geschafft, damit die Insassen der Hütte, in die du mich netterweise eingeladen hast, stolz auf mich sein können.
    Damit bin ich ein Stück weiter mit meinem Roman gekommen, aber da stehen mir noch mindestens 40k, eher 50k bevor, bevor ich „Ende“ schreiben kann. Und danach muss das Ding wieder eingekürzt werden, weil ich mich bei Erstfassungen nie kurz fassen kann und vor mich hinschwafle. Wie man bei all meinen Kommentaren und Blogbeiträgen merkt… 😉

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    • Das hoffe ich auch – sie sind fantastisch kritisch *besonders einen gewissen Flockerich anfunkelt*, aber gerade das ist so toll an ihnen :).
      Ich hoffe auch sehr, dass ich meinen Zeitplan einhalten kann. Ich habe einen absoluten Wunschverlag, dem ich es anbieten werde. Mit etwas Glück kann ich dort direkt landen *hibbel*…
      Wenn sich für diese Version niemand findet, muss ich eben noch mal drüber… 🙂
      Das Pfadfinderproblem war oft, dass statt düsterer Stimmung heitere Ferienlageratmosphäre herrschte. Das kann ich inzwischen besser als vor fünf Jahren.
      Aber kein direkter Horror, keine Sorge :).

      Ich würde so gern anteasern, aber ehe ich einen Vertrag habe, lasse ich das lieber. Dabei platze ich fast vor Mitteilungswunsch über meinen Erstling.
      Sobald ich aber genau weiß, ob und was ich leaken darf, tue ich es mit der größten Freude :D.

      Dann hast du den NaNo traditioneller genutzt als ich :). Und ich bin stolz auf meine Hüttenmitbewohner :).
      Kürzen und Eindampfen ist undankbar, aber kann Texte enorm aufwerten. Und sich Metainfos zu erschreiben (um sie dann wieder rauszunehmen) ist nicht verkehrt. Ich mache meist den gegenteiligen Fehler…
      Und ich mag deine Blogeinträge!

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  2. Tintenelfe sagt:

    Du machst mich inzwischen echt neugierig. 🙂

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