Ab welcher Länge ist das eigentlich ein Buch?

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25. August 2014 von Evanesca Feuerblut

Vor Kurzem hat jemand in einer Autorengruppe die Frage gestellt, wie lang ein Buch sein muss. Die Frage löste durchaus Kontroversen aus – während Einige versuchten, die Frage tatsächlich zu beantworten, kamen Viele mit Scherzantworten oder hinterfragten die Ernsthaftigkeit einer so „dummen“ Frage. Als echter Autor wisse man schließlich, dass ein Buch so lang ist, wie die Geschichte benötigt.

Meine erste (durchaus ernst gemeinte) Antwort war „so kurz wie möglich und so lang wie nötig“.

Wie ist das gemeint?

Wenn eine Geschichte 1000 Seiten braucht, um sich zu entfalten, dann braucht sie eben 1000 Seiten. Wenn eine Geschichte gut gemacht ist, wird sie jedoch keine 1500 Seiten lang sein, wenn 1000 doch völlig ausgereicht hätten. Genauso kann eine Geschichte theoretisch auch schon in dreihundert Seiten erzählt sein, wenn wir von Romanen sprechen. Einige Wortkünstler können eine komplette Geschichte aber auch in 100 Wörter fassen.
Egal, wie die absolute Länge am Ende ausfällt – wichtig ist nur, dass es weder zu viel noch zu wenig ist. Sondern genau richtig.

Doch ab welcher Menge ist das Ganze ein Buch?

Eine in ein Drabble gepackte Geschichte macht natürlich kein Buch und in der Regel wollen Autoren wissen, wie lang ihr Werk sein soll, um als Roman zu gelten – sofern sie nicht explizit ein Theaterstück oder eine Novelle zu schreiben beabsichtigen (oder eine Kurz- und Kürzestgeschichtensammlung herauszugeben wünschen).

Da ist die Frage auf einmal nicht mehr so leicht zu beantworten.

Der Markt will mitreden

Ich war mal in einem sehr guten, recht professionellen Autorenforum, wo eine der Administratorinnen oder Supermoderatorinnen (ich bin mir nicht ganz sicher, es ist einige Jahre her) selbst in der Verlagsbranche arbeitet.
Die hat ein Buch geschrieben, wusste aber aus Berufserfahrung, dass Verlage bei Debütautoren tendentiell eher kürzere Bücher als längere Bücher annehmen. Kürzere Bücher verursachen geringere Material-, Druck- und Lagerungskosten, sodass ein Verlag (so wird zumindest oft behauptet) mit einem kürzeren Werk bei einem unbekannten Autor einfach ein geringeres Risiko hat, falls die Bücher sich nicht verkaufen.

In der Folge hat die Autorin teilweise rigoros an ihrem fertigen Roman rumgekürzt. Da ich weder eine Leseprobe des Werkes kenne noch weiß, ob der Roman inzwischen erschienen ist, kann ich nicht beurteilen, ob die Kürzungen der Geschichte als solcher gutgetan haben – das kann bei Autoren mit sehr ausschweifendem Stil durchaus der Fall sein.
Was ich jedoch weiß ist, dass es bei der besagten Autorin regelrecht zu einem Krampf geführt hat. Kürzer, flotter, sprachoptimierter. Sie wirkte oft demotiviert und nicht immer mit voller Freude an der Sache (zumindest war das mein subjektiver Eindruck).

Eine andere Frage ist immer, wie lang ein Werk sein muss, um bereits als Buch beziehungsweise Roman zu gelten. Sprich: Wie lange ist etwas erst eine Novelle oder eine längere Kurzgeschichte, ab wie viel Seiten zählt ein Werk als vollwertiger Roman?
Eine Frage, die mich bei meinem Erstling „MV“ übrigens auch sehr beschäftigt hat. In Wordseiten hatte die erste Fassung glaube ich ca. 90 Seiten, in Normseiten knapp 150. Das empfand ich vom Umfang her nicht als Buch. Ich gehöre zu denen, die für ein Buch von dem Umfang kein Geld ausgeben würden – ich lese sehr schnell und ein Buch, das ich an einem Abend durchlesen kann, leihe ich allenfalls aus der Bibliothek, da es sich für mich „nicht lohnt“. Das hat mich verunsichert, denn es ist kein Qualitätskriterien, wenn ich mein eigenes Buch im Laden schon auf Grund des Umfangs von vornherein vom Kauf ausschließen würde ;-).

Mittlerweile ist das Buch ca. 250 Normseiten lang und ich bin mit der ersten Umarbeitung des Buches durch, da musste aus handwerklichen und storytechnischen Gründen massiv aufgestockt werden.
Mittlerweile habe ich das gute Gefühl, dass es zwischen 250 und 300 Normseiten lang wird, wenn es fertig ist – was sich für mich einfach mehr nach Roman anfühlt, als „mickrige“ 150 (oder gar 90) Seiten.

Laut UNESCO-Definition gilt etwas übrigens als Buch, sobald es länger als 49 Seiten lang ist. Egal ob man ein solches Büchlein auch subjektiv so einstufen würde.

Fazit

Auch die auf den ersten Blick triviale Frage nach der Mindestlänge eines Buches kann sich auf den zweiten Blick durchaus als Problem erweisen, dem man einige Gedanken widmen sollte. Autoren, besonders die, die noch nicht veröffentlicht haben, lassen sich sehr schnell von widersprüchlichen Informationen und Tipps verunsichern. Viele suchen nach Normen, um ihr Werk daran zu messen und sind verwirrt, ob ihre Geschichten als Bücher gelten oder nicht.

Das kann verunsichern und im schlimmsten Fall für das Schreiben blockieren.

Wie ist das bei euch? Plant ihr vielleicht sogar im Voraus, wie lang euer Buch werden soll? Oder ergibt sich das bei euch im Schaffensprozess? Lest ihr eher kurze oder eher lange Bücher?

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5 Kommentare zu “Ab welcher Länge ist das eigentlich ein Buch?

  1. scathach25 sagt:

    Hm…ich lese am liebsten Bücher mit 200-400 Seiten….aber zb bei Harry Potter waren die 1000 Seiten einfach zu wenig^^ Ich glaub, darauf wird es nie eine richtige Antwort geben. Jeder liest halt das was er will…mal 200 Seiten…dann mal 900 Seiten. Je nachdem wie die Geschichte ist 🙂

    LG Eva

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    • 200 bis 400 wäre mir noch zu kurz, meine liebste Buchleselänge ist 400 bis 700, es darf aber bei Bedarf gern auch mehr oder weniger sein, wenn es der Geschichte dient.
      Harry Potter… ja, da war ich traurig, als es zu Ende war. Da ging mit dem letzten Buch für mich eine Era zu Ende, weil mich kaum ein Buch quasi vom zehnten bis zum 21sten Lebensjahr (wenn man auch die Filme mitrechnet) konstant begleitet hat. Das ist etwas Besonderes :).

      LG,
      Evanesca

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  2. Mein erstes Buch hatte 212 Seiten. Für manche ist das zu kurz, von anderen habe ich gehört, dass es genau richtig war, weil man es an zwei Abenden durchlesen kann. Mein neues Buch ist jetzt (vor der abschließenden Feinarbeit) etwa 340 Seiten lang. Ich würde aber auch einen Roman von 120 Seiten als Buch bezeichnen (okay, vielleicht als Büchlein). Ob ich ihn kaufen würde, sei mal dahingestellt.

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    • Für mich wäre es auch sehr kurz, da ich bei etwas mehr Zeit 212 Seiten innerhalb von drei Stunden in einem Rutsch auslesen könnte – aber ich bin vermutlich auch ein wenig extrem, was das angeht. Und somit schlicht nicht die Standardleserin, auf die man den Buchmarkt oder die Buchlängen ausrichtet.
      120 Seiten sind vom Umfang dann eher eine Novelle, aber auf jeden Fall bereits ein Buch. Novellen lese ich eigentlich recht gern, einziger Nachteil ist eben die Kürze, die mich so ein Büchlein in einem Happs verschlingen lässt.
      Mal sehen, wie lang meins wird, wenn ich es verlagsfertig habe und das Exposé verschicke :). Ich freue mich auf jeden Fall schon darauf. Und viel Erfolg bei deinem aktuellen Romanprojekt!

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