Admin werden ist nicht schwer – Admin sein…?

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10. September 2014 von Evanesca Feuerblut

Vor Kurzem wurde ich gefragt, ob es eigentlich schwer ist, ein Forum zu leiten. Zuerst wollte ich ganz spontan mit „Nein“ antworten, denn z.B. das L&L’s, mein Hobby seit bald einem Jahrzehnt, leitet sich fast wie von selbst. Wenn nicht gerade etwas Größeres ansteht, muss ich die meiste Zeit nur vorbeischauen und feststellen, dass alles nett und in Ordnung ist.
Aber bis dahin war es ein weiter Weg.

der Anfang

Schon seit ich Mitte 2005 zum ersten Mal Mitglied in einem Forum wurde, träumte ich davon, selbst so ein Ding zu haben. Was mich lockte? Da konnte man sortieren, Regeln machen und irgendwelche Sonderfeatures wie Shoutboxen und Chats hineinbauen.
So eine Spielwiese wollte mein vierzehnjähriges Ich auch haben.

Also googelte ich irgendwie das Falsche – wie man Foren selbst programmiert und hostet. Logisch, dass ich als Teenie mit eher mangelhaftem Informatikunterricht und ohne nennenswertes Wissen, an welcher Ecke ich mich selbst informieren soll, resignieren musste.
Erst Monate später, damals hatte ich noch Brieffreunde, schrieb mir einer, dass er ein Forum hat. Ich wollte wissen, wie er das gemacht hat. Seine Antwort? Auf http://dynamicboard.de* kann jeder Gymnasiast (und eigentlich auch jedes Kind) eins machen.
Ich war sofort Feuer und Flamme und musste SOFORT ins Internet und ein Forum aufmachen. Dieser Umstand ist schuld daran, dass ich jahrelang mein Forum als „Lady of the light“ administriert habe. Mir ist auf die Schnelle kein besserer Name eingefallen und warten? Das war beim jugendlichen Übermut einer Fünfzehnjährigen keine Option.

Und dann?

Und dann stand ich da, mit einem Forum mit bescheuerter URL – kein Mensch wollte sich die Zahlen 39410 und die Subdomain „dynamicboard“ merken – mit einem schon damals als irgendwie provisorisch und eher blöd empfundenen Administratornicknamen und keinem blassen Schimmer, was ich mit einem Forum anfangen soll.
Aber hey, Hauptsache ich hatte eins, oder etwa nicht?
Ich habe ein wenig unmotiviert einen Haufen Unterforen erstellt, von denen vermutlich so gut wie keins noch auf dem anderen geblieben ist und mein erster User war meine damalige beste Schulfreundin, mit der wir dann den  kleinen Unterschied zwischen „klassischen“ und „rice’schen“ Vampiren diskutiert haben. Wenn mich nicht alles täuscht, war das der erste Thread im Forum, zwei Tage nach der Erstellung aufgemacht, als mir endlich einfiel, was ich eigentlich mit einem Forum wollte.
Irgendwann kamen dann tatsächlich – weil ich sämtliche Mail-Bekanntschaften ein bisschen penetrant damit genervt habe – die ersten User ins Forum und ich habe auf deren Bitte so offensichtlich fehlende Dinge wie Vorstellungsbereiche, Spieleecke und Off-Topic-Bereich eingebaut.

eine lange und steinige Reise

Das Forum hat sich verändert. User kamen hinzu, andere verschwanden im Datennirvana und wurden nie mehr gesehen. Mein Forum schluckte ein anderes Forum vollständig und einige User eines anderen sterbenden Forums registrierten sich bei mir.
Ich habe von einem hässlichen, kindischen Design à la 90er zu einem Design in stilvollen Blautönen gewechselt – habe ich schon erwähnt, dass für mich blaue Webseiten optisch besonders schön sind?
Und vor allem habe ich das ganze Ding mehrmals völlig umgebaut. Aktueller Status? Für Außenstehende ein Forum voller Rezensionen, für Registrierte eine Oase der Kreativität mit riesigen Unterforen für Autoren, Grafikkünstler und Fotografenen. Das Forum geht also im Moment stark in Richtung Kreativitätsboard mit besonderem Augenmerk auf das Schreiben, weil ein Großteil der Mitglieder Autoren sind – egal ob veröffentlicht oder erst im Werden.

Quo Vadis, Forum?

Ein Forum verändert sich mit jedem neuen Thema, mit jedem neu registrierten User, mit jeder kleinen Änderung. Es fließt permanent und man muss sich als Admin auch dann hineinknien und an neuen Inhalten arbeiten, wenn scheinbar alles glatt läuft.
Wohin die Reise geht, weiß also nur ein künftiges Mitglied…

Wieso ich diesen Text geschrieben habe

Ein sehr junger Mensch – elf Jahre alt – wollte unbedingt ein Forum haben, weil er in meinem registriert ist, es toll fand und sowas auch wollte. Ähnlich wie ich damals mit fünfzehn.
Ich legte ihm meine vier Artikel zum Forenaufbau ans Herz, aber im Nachhinein betrachtet sind die Artikel für einen impulsiven Elfjährigen, der sofort loslegen möchte, nicht wirklich geeignet. Darum helfe ich ihm, so gut ich kann, zeige Besonderheiten der Administration und gebe meine Tipps und Tricks weiter.
Ich wünschte, ich hätte als Fünfzehnjährige einen Mentor gehabt, der mir gesagt hätte: Jetzt setz dich in Ruhe hin und denk erstmal über ein Forenthema nach. Und dann erst setz dich hin und such dir einen Anbieter und erst dann solltest du dein Forum machen.
Hatte ich aber nicht.
Admin werden? Das kann heutzutage jeder, der in der Lage ist, zu tippen und drei notwendige Klicks zu machen.
Admin sein? Dazu gehört viel mehr. Lernfähigkeit, Geduld, eine hohe Frusttoleranz. Manchmal reißt man sich ein Bein raus, verfasst extra supertolle Einstiegspostings, networkt, tut und macht, aber das Forum kommt einfach nicht vom Fleck. Monatelang, manchmal jahrelang.
Keine Ahnung, wie oft ich in den ersten drei-vier Jahren überlegt habe, das L&L’s zu löschen, weil ich dort weitestgehend mit mir selbst geredet habe. Und keine Ahnung, wie oft ich richtig froh war, es nicht getan zu haben.
Als Admin darf man sich von weniger internetaffinen Leuten den Spruch „Such dir ein Hobby!“ anhören, wenn man ihnen was von Plugin-Programmiererei, Fotowettbewerben und Bannertausch erzählt. Dass man doch ein Hobby hat, nämlich das Forum, wird oft nicht wahrgenommen.

Aber es lohnt sich. Jedes Mal, wenn ich mich einlogge, ist es ein Heimkommen in mein virtuelles Wohnzimmer, wo meine Freunde sitzen. Manche geben mir ihre Manuskripte zum Lesen und ich gebe sie ihnen mit Korrekturanmerkungen zurück. Andere wollen mit mir und allen anderen ihre neuesten Zeichnungen teilen und wir erfreuen uns gemeinsam daran. Und manchmal sind wir einfach füreinander da, so wie ein richtiger Freundeskreis schweigend vor dem Kamin sitzt und dennoch die gegenseitige Unterstützung spürt.

Ein gutes Forum ist mehr als nur eine Adresse im Netz. Und ein guter Admin hat mehr als nur einen Tropfen Herzblut hineingesteckt.

*inzwischen http://xobor.de und das, was man heutzutage schon beim Einrichten eines Forums kann – z.B. einen griffigen Namen mit Xobor-Subdomain** aussuchen etc. – übersteigt um ich weiß nicht wie viele Welten das, was zu meiner Anfängerzeit möglich gewesen wäre. Ernsthaft. Das ist keine Werbung und ich werde nicht dafür bezahlt, aber das ist seit Jahren mein Forenhoster des Vertrauens und ich bezweifle, dass ich je wechsle. Die Jungs und Mädels sind toll.

**Subdomain ist das Ding, das anzeigt, wo man eine Webseite herhat. Dieser Blog ist bei WordPress, also lautet die Subdomain wordpress. Manche Webseiten haben keine Subdomain, da sie keine brauchen oder sich für Geld eine eigene Domain ohne Sub gekauft haben. Ich hoffe, das ist für Internetlaien gut erklärt. Wenn nicht, fragt mich und ich versuche eine bessere Erklärung in den Kommentaren.

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7 Kommentare zu “Admin werden ist nicht schwer – Admin sein…?

  1. Virtuelles Wohnzimmer trifft es einfach sehr gut – wenn ein Forum das ausstrahlt, ist es perfekt!

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  2. tommimh sagt:

    Das kommt mir bekannt vor. Ich habe auch zwei Foren. Und das schwankt immer zwischen „ist toll“ und „warum tue ich mir das an“.

    Toller Blog, übrigens, den ich hier über den Kommentartag gefunden habe.

    LG Thomas

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    • Worum geht es denn in einen beiden Foren? 🙂
      Ich habe ja, ohne zu wissen, dass solche Dinger auf dem absteigenden Ast sind, ein allgemeines Forum über alles Mögliche gegründet (eben mit Schwerpunkt auf Kreativität) und damit hat man es heutzutage schwer, da es ja Facebook und Co. gibt inzwischen. Erst als sich langsam eine gewisse Richtung gezeigt hat, startete ich durch ^^.

      Danke 😀

      LG,
      Evanesca

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      • tommimh sagt:

        Bei mir sind es Themenforen, über das Fotografieren von Flugzeugen. Einmal ein Allgemeines für den deutschsprachigen Raum und eines speziell für den Flughafen Düsseldorf.

        Bei den Themen ist Facebook und Co keine wirkliche Konkurrenz. Wir versammeln in den Foren alle Freunde dieses Hobbys und es funktioniert wie am ersten Tag.

        LG Thomas

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  3. Sabrina sagt:

    Hey,
    danke für deinen Kommentar 🙂
    Die Bücher hingen ebenfalls in der Leadenhall im Finanzviertel wo man nicht unbedingt danach suchen würde.

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