Discoverywriter oder Plotter?

Ich habe schon mal in meinem Artikel über To-Do-Listen und Kreativität angerissen, wie ich an meinen Romanprojekten arbeite und als Beispiel meine Magier und das G-Projekt gebracht. Nun habe ich aber bereits erwähnt, dass ich bei jedem Projekt ein wenig anders vorgehe – und als ich auf Twitter in Bezug auf mein [U]-Projekt gefragt wurde, ob ich Discoverywriter oder Plotter bin, musste ich mit einem klaren „Jein“ antworten…

Der Ursprung dieses Projekts

Zugegeben – richtig angefangen, daran zu schreiben, habe ich 2009 und damals entstanden auch tatsächlich die ersten 30 Normseiten mehr oder weniger in einem Rutsch. Doch das heißt nicht, dass auch die Vorarbeit erst 2009 begann.
Schon um 2006 oder 2007 herum begann ich, an der Sprache für diese Geschichte zu basteln. Inspiriert durch meine ersten Ausflüge in die Welt des Lateins und weil ich es ohnehin liebe, Schriften zu erstellen, entstand ein Alphabet und erste Vokabellisten. Eine Geschichte als solche gab es noch nicht wirklich – nur einzelne Fragmente, die mir beweisen, dass ich bereits intensiv über die Geschichte nachgedacht habe.
Allerdings war damals die Hauptprotagonistin von [U] noch die Böse, die man für ihre Untaten (die nicht näher definiert waren) bestrafen musste – wobei die, die sie bestrafen sollten, auch nicht gerade zimperlich oder moralisch gut waren. Im Gegenteil. In einer französischsprachigen Kurzgeschichte von 2006 oder so, die ich später fand und (für mein persönliches Archiv) ins Deutsche übersetzte, wird die Vorgehensweise der zweiten Protagonistin, D., immer wieder scharf kritisiert und hinterfragt.
Irgendwann hat sich dann alles um 180° gedreht, sodass es letztendlich ohnehin kein Gut oder Böse mehr in der aktuellen Version der Geschichte gibt…

Der äußere Rahmen

Bei [U] handelt es sich um das Projekt, welches im Prinzip als Grundlage für die meisten späteren Projekte dient und entsprechend wichtig ist. Ohne die Protagonistin Y. aus [U] gäbe es auch S. aus dem G-Projekt nicht, so als Beispiel.
Ich wusste von Anfang an, dass ich zwei Storylines haben würde, die sich recht früh aufspalten und sich erst ganz am Schluss wieder zusammenfügen. Entsprechend wusste ich recht früh, wie es endet und habe einen Großteil des Endes auch schon geschrieben – über kleine Details des fehlenden Teils muss ich noch mit mir selbst einig werden…
Das ist der Grundrahmen und da ich im Grunde genommen nur Anfang und Ende von Anfang an kannte, ging die Schreibarbeit stark in Richtung Discovery – ich schreibe mal und schaue, was dabei rauskommt.

Wer mich privat kennt oder sich öfter mit mir über das Schreiben unterhalten hat (oder gar unter meinen Betalesern ist), der weiß, dass die Einordnung in meinem Falle aber nicht so einfach ist. Im Laufe der Zeit kamen mir zahlreiche Zwischenstationen für [U] in den Sinn – auf der Suche nach einer Erklärung für den goldenen Stirnreif, den Y. in späteren Romanprojekten immer trägt, kam ich zu dem schrägen Schluss, ihr für einige Zeit die Regentschaft in ihrem Herkuntsland zu übertragen. Und auch sonst wollen die vierzig oder fünfzig Jahre zwischen dem Beginn und dem Ende des Romans irgendwie gefüllt werden, sodass der Discovery-Pfad durch den Roman allmählich mit allerlei Zwischenstationen gespickt ist, die teils nur (mehr oder weniger grob) vorgeplottet, teils in Prosa vollständig ausgeschrieben sind.
Für die zweite Storyline habe ich gar am 01.12.2013 ein zweites Open-Office-Dokument erstellt, da ich nicht genau wusste, wo ich die Storyline zeitlich einfügen sollte. Denn den ursprünglichen Plan, beide Storylines parallel zu entwickeln, musste ich fallen lassen. Wo bleibt die Überraschung, wenn der Leser von Anfang an weiß, dass D. irgendwann zurückkehrt? Da ist es spannender, wenn sie irgendwann viel später auf der Matte steht.
(Und für die Leser dieses Blogs: [U] ist ja das Blogkürzel für den Arbeitstitel, während der volle Arbeitstitel nicht verraten wird und meine Protas kennt man hier nur als Anfangsbuchstaben, falls ihr also irgendwann das fertige Buch lest, werdet ihr es vermutlich nicht diesem Blogpost zuordnen können, hoffe ich…)
Tatsache ist: Klar, ich mache immer noch sehr viel „Discovery on the Run“ bei diesem Projekt, aber einige Zwischenstationen stehen auf jeden Fall fest und dort wird auch auf jeden Fall angehalten. Insofern sind also Teile der Geschichte vorgeplottet.
Da der Roman aber zwischen 40 und 50 Jahren abdecken soll und somit vermutlich ein Mehrteiler wird, gibt es immer noch Zwischenstationen, die auch für mich überraschend kommen und mit denen ich nicht gerechnet habe.
Manchmal wirft mich hier auch der Weltenbauaspekt ein wenig aus der Bahn, sodass ich erstmal irgendwas entwerfen muss, ehe ich in der Geschichte weitermache.

Die inneren Werte

Selbst wenn man nicht genau weiß, wo der Weg hinführt – was wirklich wichtig ist, ist die Art und Weise, wie man es schreibt.
Ist man eher Plotter und hat somit für jedes Kapitel und jede Szene eine vorgefertigte Inhaltsangabe, darf man nicht einfach blind abhaken – man muss die Unterpunkte und Szenen mit Leben füllen und die Figuren „atmen“ lassen.
Ist man spontan, sollte man die Geschichte trotzdem nicht mal hierhin, mal dorthin eiern lassen. Unbewusst hat man fast immer sowas wie eine grobe Richtung, man muss sie nur finden und kann sich dann an ihr entlanghangeln.
Einem guten Roman wird man am Ende nicht ansehen, auf welche Weise er vorgeplant wurde. Man wird nur sehen, dass er gut ist.

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2 Gedanken zu “Discoverywriter oder Plotter?

  1. Ich bin auch eher so was dazwischen. Meist habe ich ein paar Wegpunkte, kleine Etappenziele quasi im Kopf. Der Weg wie ich dahin komme ist allerdings auch für mich immer wieder überraschend. Außerdem machen meine Figuren sowie so immer was sie wollen. Irgendwie lassen die sich von mir nix sagen 😀

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