1. Internationale Autorenmesse in Frankfurt am Main

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4. Juni 2016 von Evanesca Feuerblut

Womit soll ich anfangen? Mit der Organisation? Der Messe an sich? Den Menschen? Meinen Erlebnissen?

Vorgeplänkel

Zunächst… Ich war, was die Messe angeht, sehr skeptisch. Schon im Vorfeld gab es da merkwürdige Tendenzen. Als ich das erste Mal von ihr hörte, gab es nur zwei Preiskategorien für die Tickets – normal (44€) und ermäßigt (28€). Und das für eine kleine, unbekannte Messe, die zum damaligen Zeitpunkt nicht gerade mit Zugpferden glänzen konnte.

Im Laufe der Zeit gab es dann eine Aktion nach der anderen. Mein eigenes (ermäßigtes Studenten-) Ticket erstand meine Schreibmeer-Chefin Tinka Beere bei einer kurzzeitigen „Zwei Tickets zum Preis von einem“-Aktion.
Kurze Zeit später gab es eine Weile lang alle Tickets für 11€. Da haben wir uns zum ersten Mal geärgert, zu viel gezahlt zu haben, aber was solls.
Zwei Wochen vor der Messe kriege ich mit, dass alle Besteller bis zu drei Freunden noch kostenlos mit reinnehmen dürfen und irgendwann taucht ein Sonderpreis für Studenten auf (5€).
Alles in einem machte das Ganze für mich den Eindruck, als hätten die Veranstalter irgendwann mitbekommen, dass zu wenige Leute Interesse haben und durch schräge Preisaktionen versucht, mehr Interessenten heranzuziehen.
Was sie erreicht haben?
Nicht zuletzt mindestens zwei leicht angesäuerte Autorinnen, die feststellten, dass sie theoretisch auch 9€ weniger hätten bezahlen können, wenn sie nicht zu den Ersten gehört hätten, die ein Ticket kaufen wollten ;-).

Die Ankunft

Das klappte überraschend gut, angesichts dessen, dass ich mich eigentlich zu verlaufen pflege. Ich habe einen Zug der VIA-Gruppe erwischt, der zu spät einfuhr und den ich gar nicht auf dem Schirm hatte, der mich aber schon 9:08 statt den geplanten 9:48 nach Frankfurt brachte. Und ich habe es tatsächlich geschafft, den richtigen Ausgang zu finden und die richtige Haltestelle samt Buslinie.
Ich war mir nicht ganz sicher, wo ich einsteigen musste und wie weit ich zu fahren hatte, aber ich habe zwei Menschen getroffen, die ebenfalls zur Autorenmesse wollten und die mir versichert haben, dass ich im richtigen Bus bin.
An der Haltestelle hat mich sofort Tinka abgeholt. Ich habe sie sofort erkannt (was für mich schon eine besondere Leistung ist 😀 ) und wir sind sofort losgezogen.
Lage sondieren, zweites Frühstück besorgen (an der Goethe-Universität Frankfurt gibt es unfassbar leckere Nussecken ❤ ).Und dann haben wir uns verlaufen, weil wir im falschen Gebäude nach der Messe gesucht haben.
Liebe Veranstalter: Bitte das nächste Mal irgendwelche Schilder und Wegweiser aufstellen!
Als wir dann nach vielen herauf- und herabgelaufenen Treppen bereits erschöpft waren und endlich im richtigen Gebäude waren, lief der erste Vortrag bereits, sodass ich einen geplanten Programmpunkt nicht erledigen konnte.
War jemand von meinen Lesern um 10:00 in Hörsaal 8 im Vortrag „Ganz schön mobil: Wie unser Smartphone die Veröffentlichungsmöglichkeiten vergrößert“? Den habe ich, wie gesagt, leider verpasst.

Neobooks

Der nächste Vortrag auf meiner Liste war zum Thema Marketing für SP-Autoren. Aus Gründen :).
Ich habe mir fleißig Notizen gemacht. Auch wenn viel Altbekanntes darunter war, gab es auch einige interessante neue Erkenntnisse, die ich auch als Verlagsautorin für mich mitnehmen konnte und interessante EInblicke in die Arbeit von Neobooks als Distributor und Partner von Droemer Knaur.
Ich musste spontan ein bisschen Social Media betreiben:

Und stellte prompt fest, dass eine weitere Onlinebekannte von mir im Publikum saß. Stephanie von fieberherz winkte mir vom anderen Ende des Raumes zu, nachdem ich feststellte, dass sie aus dem gleichen Vortrag twittert wie ich:

Wir kennen uns seit Jahren aus dem Internet, aber endlich haben wir uns tatsächlich getroffen und ein paar Worte ausgetauscht. Ich habe mich riesig gefreut <3.

Rechtsberatung für Autoren

Klingt trocken, aber dieser Vortrag war unglaublich lustig, weil der Anwalt mit sehr viel Energie und Humor erzählt hat. Er informierte uns nicht nur über alle möglichen Fallstricke rund ums Urheberrecht, sondern erzählte auch von einigen fragwürdigen Praktiken.
Wir erfuhren dabei, dass einige Dinge mehr Schöpfungshöhe haben als andere und dass Katzen zwar toll sind, aber ihnen in den Augen der Juristen eine wichtige Eigenschaft fehlt.

Ich habe unglaublich viel gelernt, mir sehr viele Notizen gemacht und bei den Beispielen und Erzählungen des Anwalts herzlich gelacht.

Pause

Ich hatte für den nächsten Programmpunkt nichts geplant und so war es eine super Gelegenheit, mit Tinka in die Kantine zu gehen. Die hatte den stimmungsvollen Namen „Sturm und Drang“ und war in einen eher kantineartigen Teil und ein kleines Restaurant eingeteilt.
Wir stellten uns beim Kantinenteil an.
Meine Backkartoffel mit Curry und Salat war groß und wohlschmeckend. Und es gibt ein Foto von mir beim Essen, das Tinka aufgenommen hat :D.
Wir saßen beisammen und redeten, redeten, redeten. Schön wars.

Wolfgang Hohlbein

Ich wollte Wolfgang Hohlbein unbedingt schon beim BuCon 2015 lesen hören, aber leider ist er krank geworden und konnte nicht kommen.
Ob er bei der Autorenmesse anwesend sein würde oder nicht, wusste ich bis zur letzten Minute nicht wirklich. Die gedruckten Programme listeten ihn zwar, aber im Internet konnte ich ihn nicht finden.
Als es dann hieß, dass er tatsächlich da ist, musste ich unbedingt hin.

Ich habe es nicht bereut. Wolfgang Hohlbein ist ein toller Vorleser, mit einer sehr angenehmen Vorlesestimme und dabei vollständig entspannt. Er stand an diesem Lesepult, las ruhig und konzentriert und wirkte dabei ganz in seinem Element, als würde er sich wohlfühlen bei dem, was er da tat.

Die Hintergründe zu „Mörderhotel“ fand ich spannend – und den ehrlichen Einleitesatz des Autors, der offen aussagte, Krimis eigentlich nicht zu mögen. Bis er über genau DEN Stoff gestolpert ist, den er einfach umsetzen MUSSTE. Das ist offen, das ist ehrlich und es ist erfrischend, von einem großen Autor zu hören, wie er einfach spontan das Genre gewechselt hat, weil ihm eine Story unter den Fingern brannte.

Leider waren die verkauften Exemplare von „Mörderhotel“ so dick, dass sie die Kapazität meiner Handtasche gesprengt hätten. Daher leider kein signiertes Exemplar für mich.

Treffen mit den AuthorWings

Direkt im Anschluss an die Lesung traf ich zwei wunderbare Kolleginnen aus der AuthorWing-Community: Vinya Moore und Alisha McShaw. Ich glaube, wir haben einen Großteil der restlichen Zeit damit verbracht zu quasseln und uns auszutauschen.
Später sind wir zwar noch in einen Vortrag reingegangen, der hat uns allerdings nicht überzeugt – versprochen wurde lebendiges Schreiben (im Gegensatz zu 0815er marketinggerechtem Einheitsbrei), aber stattdessen ging es irgendwie um Schreiben als Selbsthilfe und driftete für meinen Geschmack bald stark ins Esoterische ab.
Ich kenne Morgenseiten bereits und weiß, dass das Konzept durchaus funktionieren kann, aber ich muss keinen Vortrag darüber hören, bei dem Handpuppen zum Einsatz kommen.
Vor allem aber möchte ich keinen solchen Vortrag hören, wenn ich eigentlich auf einen ganz anderen Vortrag eingestellt gewesen bin.

Kurz vor dem Ende der Messe habe ich mich dann noch getraut, die Betreuerin des Ullstein-Standes anzusprechen und mein #Unparallel-Projekt zu pitchen. Und siehe da, auf einmal konnte ich die Essenz einer neunteiligen Reihe in einem Satz zusammenfassen, nämlich mit den Worten ##### #### ###### ###, #### ########## ## ### ###### ###.

Ups.

Der Anti-Spoiler-Bot hat meinen Pitch geschreddert.

Egal. Die Betreuerin war sehr nett und hat mir gesagt, dass die Printabteilung von Ullstein zwar derzeit kein Fantasy macht, ich mich aber durchaus mit dieser Idee beim Forever-Imprint bewerben soll und mir den Flyer gegeben.

Ich bin sehr froh, dass ich mich getraut habe und morgen mache ich die Bewerbung fertig und … probiere es einfach mal. Was kann schon passieren?

Fazit

Die Messe selbst war … nun, sagen wir mal, verbesserungswürdig. Was schon in der Organisation falsch gemacht wurde, habe ich bereits erwähnt. Auch die Auswahl der Vorträge richtete sich für meinen Geschmack zu oft entweder an absolute Anfänger oder an Leute, die eher für sich/die Schublade zu therapeutischen Zwecken schreiben.
Vorträge für „Profis“ und Verlagsautoren gab es dagegen (gefühlt) vergleichsweise wenige.
Herausgerissen haben es für mich vor allem die wunderbaren Menschen, mit denen ich sprechen durfte. Einige habe ich nur flüchtig begrüßt und umarmt, mit anderen habe ich mich stundenlang unterhalten.
Auch wenn ich nicht alle getroffen habe, die ich gerne getroffen hätte – es war schön, so viele Menschen endlich auch im Real Life kennenzulernen.

Wir sehen uns hoffentlich bald wieder!

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14 Kommentare zu “1. Internationale Autorenmesse in Frankfurt am Main

  1. Martina sagt:

    Ich fand die Vorträge auch sehr gemischt. Auch für mich war nicht alles interessant. Das ist halt immer das Problem mit den Erwartungshaltungen. Ich hätte deshalb vorher gerne doch ein paar mehr Infos zu dein einzelnen Vorträgen gehabt.

    Aber so soll es ja sein auf einer Messe. Für jeden etwas. Mir hat z. B. „lebendig schreiben“ sehr gut gefallen. Ich konnte einiges für mich mitnehmen. Esoterisch fand ich es überhaupt nicht. Ich würde sagen, dass dies eher aus dem Coachingbereich kam.

    Was ich nicht gut fand, es war teilweise sehr warm in den Räumen.

    Gefällt 1 Person

    • Hallo Martina!
      Stimmt, Erwartungshaltung spielt eine Rolle und wenn ich mir die Messeberichte anderer Blogger anschaue, wurde diese Haltung oft enttäuscht, wenn Vortragende statt über ihr Thema z.B. über ihre Hochzeit berichteten.
      So unterschiedlich können Geschmäcker sein und auch, wie Inhalte wirken. Ich erwartete ein Seminar zum Thema „eine Geschichte lebendiger schreiben“ und für mich war ein Seminar mit Achtsamkeitsübungen und „mit Schreiben das Leben meistern“ somit weder das, was ich erwartet habe, noch das, was ich hören wollte, noch das, was ich derzeit in meinem Leben brauche.
      Wenn es für dich genau richtig war, dann ist das sehr schön <3.

      Stimmt. Es war sehr warm im ganzen Gebäude, fürchte ich. Mehr Belüftung wäre schön.

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  2. Danke für Deinen tollen Bericht, so kann ich auch als Nicht-Besucherin ein wenig Messe-Luft schnuppern. Ich wäre gerne dabei gewesen, hauptsächlich um einige facebook-Freundschaften zu vertiefen und solche lieb gewordenen wie Dich endlich einmal live kennen zu lernen. Aber das kommt schon noch! ❤

    Gefällt 1 Person

  3. Andre sagt:

    Hat dies auf Schreibbasis rebloggt und kommentierte:
    Ich kenne Katherina schon ein paar Jahre und kann nur sagen absolut authentisch! Ganz interessanter Bericht – danke sehr!

    Gefällt 1 Person

  4. Nora Bendzko sagt:

    Da hat wohl die Frankfurter Mentalität mit den Preisen zugeschlagen – Bankerstadt, ts! Danke für diesen sehr interessanten und sehr detaillierten Einblick. Ja, die alten Bekanntschaften aus dem Netz zu treffen ist immer noch das Allerschönste an solchen Messen 🙂 Mir hätte Leipzig dieses Jahr nicht halb so viel Spaß gemacht, wären nicht auch ein paar Autorenbekanntschaften da gewesen. Meine Daumen sind nach wie vor dick gedrückt für Ullstein! Ich hoffe, du schickst noch heute ab 😉

    Gefällt 1 Person

  5. J. S. Ann sagt:

    Eine schöne Zusammenfassung hast du da geschrieben, die auch mir aus der Seele spricht. Es waren super Vorträge dabei, aber auch einige die wir vorzeitig verlassen haben. Und es war wirklich schön ein paar von den online Bekanntschaften endlich persönlich zu treffen, auch wenn es nur kurz war. Ich hoffe auch, dass wir uns schon bald mal wieder sehen und ein bisschen mehr Zeit zum Austauschen haben.

    Gefällt 1 Person

  6. Tinka sagt:

    Ich fand es echt toll, dich kennenzulernen. Wie oft hab ich das heute schon gesagt ubd geschrieben?? 😀

    Egal. Schöne Zusammenfassung ☺

    Gefällt 1 Person

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