WieMaiKai 2016 – ich war am Samstag dabei

Ich habe einen Tetrisarm.

Nein, kein Tippfehler. Mein Arm tut immer noch weh, wenn ich ihn bewegen will und zittert auch jetzt noch leicht. Und ich habe keinen passenden Controller, um gegen den Muskelkater zu trainieren.

Aber ich glaube, ich sollte ein wenig chronologischer erzählen.

Vorbereitung

Kennt ihr das? Wenn man es einmal probiert hat, will man mehr. So wollte ich, nachdem ich die Wie.Mai.Kai* letztes Jahr in normaler (vielleicht etwas eleganterer) Kleidung plus Hasenohren unsicher gemacht habe, doch etwas, das mehr an ein „richtiges“ Cosplay erinnert.

So habe ich mir in den Kopf gesetzt, Mara/Ngaja aus „Kernstaub“ zu cosplayen, allein, es scheiterte daran, dass ich den Arm nicht hinkriegen würde. Ich wollte einen Tattoo-Ärmel und einen Handschuh, wurde aber auf der Suche danach nicht fündig. Vielleicht ein anderes Mal.

Und so vergaß ich völlig, dass ich irgendwas in der Richtung brauche. Bis zum Tag vor der Con so gegen 20 Uhr. Da musste ich dann hastig braunhaarige Mangafiguren googeln. Bis meine Schwester eine geniale Idee hatte …

Das Cosplay war simpel und genial zugleich. Man nehme alltägliche Jeans, T-Shirt und Turnschuhe, füge eine möglichst knallbunte (in diesem Falle in Luigi-Grün) Basecap und einen Pikachu-Rucksack hinzu. Fertig ist der 0815er Pokémontrainer.

Pikachurucksack und KappeIm Nachhinein stelle ich fest, dass es vielleicht gar keine so blöde Idee gewesen wäre, das Outfit noch eine Spur deutlicher zu gestalten. Ich bin mir nicht sicher, ob allen Leuten klar war, dass ich in irgendeiner Weise ein Cosplay getragen habe.

Vielleicht besorge ich mir bis zur nächsten Convention noch irgendeine Kleinigkeit. Sechs kleine Pokébälle, um sie am Gürtel zu tragen, beispielsweise. Oder einen billigen, gebrauchten Pokédex, den ich auf Leute richten kann.

Aber fürs Erste war ich zufrieden – alle mochten meinen Rucksack :D.

Die Ankunft

Ich glaube, wir waren noch sehr müde, als wir in Wiesbaden losgezogen sind – und so sahen wir auch aus. Schnell noch am Automaten Fahrkarten kaufen und dann ab in die S1 in Richtung Frankfurt.

Wobei ich euch eine Perle des Automaten nicht vorenthalten darf:

Such German much wow very amazed
Such German much wow very amazed. Sänk ju for träveling wis se deutsche Bahn!

Ich verstehe durchaus, wie das passiert ist und dass hier vermutlich irgendwelche programmierten Sprachvariablen am Werk waren. Ob man das programmiertechnisch nicht eleganter lösen könnte (z.B. mit dem Äquivalent eines else-Befehls in der Programmiersprache, die hier genutzt wird und dem Laden einer alternativen Sprachvariable, falls es ausgelöst wird), weiß ich nicht. Ich vermute zwar schon, aber andererseits weiß ich ja nicht, wie genau so ein Teil programmiert wird und vielleicht fällt es auch nur Nerds wie mir auf …

Was ich immer sehr daran liebe, mit Cosplayern unterwegs zu sein – bzw. dieses Mal selbst zu den bunten und fröhlichen Menschen zu gehören – sind die Blicke. Von verwirrt („Ist denn schon Halloween?“) über neugierig („Was machen die da?“) bis hin zu offenen „Sind die bekloppt?“ konnte man so ziemlich alles aus den Gesichtern der Leute herauslesen, die wir an den Bushaltestellen und auf dem Weg zum Bahnhof getroffen haben.

Am Bahnhof selbst sahen wir dann schon so viele Cosplayer, dass wir vor Ort eine Convention abhalten könnten. Sofort herrschte die richtige Atmosphäre. Man ist fröhlich, nett und hilfsbereit, dutzt wildfremde verkleidete Menschen und knüpft Kontakte. Hach!

Im Zug selbst waren wir zu fünft, in einem anderen Abteil aber saßen noch mehr Cosplayer, sodass wir nach einer kurzen Zugfahrt in einer recht großen Prozession gen Flörsheimer Stadthalle aufbrachen. Trotz Karte mussten wir einige Male Einheimische nach dem Weg fragen und es waren ausschließlich ältere Menschen und ein Straßenfeger (sagt man das heute noch so?) auf der Straße.

Aber irgendwie haben wir dann doch hingefunden, es geschafft, unsere Tickets abzuholen und vor allem am Anfang der Schlange am Einlass zu landen. Wo dann Splittermensch viele Fotos gemacht hat, auf denen auch ich zu sehen sein müsste. Sobald sie online sind, reiche ich einen Link nach.

Auf der Convention

Wir schafften es irgendwie nicht in die Eröffnungsveranstaltung, also haben wir die Zeit genutzt, um uns in den einzelnen Sälen umzuschauen.

Das Ganze nach Flörsheim zu verlegen, war vor allem was den Platz angeht, eine sehr gute Entscheidung. Die Händlerhallen waren sogar zu Stoßzeiten nicht so voll, wie in Mainz-Kastell, sodass man gerade bei etwas raumgreifenderen Cosplays trotzdem genug Platz hatte, um sich zu bewegen und alles in aller Ruhe anzuschauen.

Soweit ich es beurteilen kann, waren außerdem gefühlt doppelt so viele Händler und Künstler da, wie letztes Jahr. Darunter auch die wunderbare Lunaly, die das zweite Jahr in Folge die Con-Buttons designt hat. Ich liebe ihre Häschenbilder und ihre Kunst <3. Und außerdem wartete dort eine Überraschung:

Ich habe nicht damit gerechnet, eine liebe Autorenkollegin ausgerechnet auf der Wie.Mai.Kai wiederzusehen – aber Cat Lewis war da, hat eifrig Kunst mitverkauft und außerdem Bücher feilgeboten. Liebe Cat, das Gespräch mit dir war eins der Highlights des Tages ❤ und angesichts dessen, dass wir uns auf der Autorenmesse in Frankfurt verpasst haben, habe ich mich doppelt über das Wiedersehen gefreut.

Dieses Jahr haben wir vergleichsweise wenig geshoppt – dabei hätten wir eigentlich keine Limits gehabt. Fast alle Stände im oberen Händlersaal hatten die Möglichkeit, mit Karte zu zahlen. Wir hätten also wirklich viel kaufen können und wer vergleichbare Veranstaltungen kennt, weiß, wie viel „wirklich viel“ sein kann. Es gab seidene Kimonos aus Japan zu erstehen!
Dennoch hielten wir uns zurück. Ich weiß gar nicht, wieso eigentlich. Ein Großteil unserer Einkäufe fand dann dort statt, wo die Künstler saßen und Postkarten, Kakaokarten, Drucke ihrer Werke und andere selbstgemachte Sachen feilboten. Unter anderem ein Druck von Victor’s Art. Emotional viel befriedigender, als der Kauf von Merchandise, wenn ich ehrlich bin.

Außerdem haben wir gezockt. Meine Schwester nahm an zwei Turnieren teil (Mario Kart und Beat’em’Up) und gewann bei einem davon den dritten Platz. Ich wurde Zweite beim Tetris-Turnier.

Das also ist die Geschichte hinter meinem Tetrisarm – ich wollte unbedingt gewinnen. Und ich stellte fest, dass die Betreiber dieses Jahr viele Spiele, darunter auch Tetris, mit Arcade Controllern ausgestattet haben. Statt also wie gewohnt einen Controller zu haben, den ich in beide Hände nehmen konnte, hatte ich dieses Ungetüm vor mir stehen und musste erst einmal lernen, wie man damit überhaupt klarkommt. Und dann spielte ich mich in die Bestenliste.

Und obwohl ich dort sehr lange unangefochten blieb, spielte ich immer und immer wieder. Tetris macht nun mal süchtig.

Meine Schwester, ihr Freund und ich sitzen vor der Stadthalle und mampfen mitgebrachte Sandwiches. Auf einmal laufen Cosplayer mit einem kleinen Tablett und zwei Muffins vorbei. Scheinbar habe ich einen Ticken zu sehnsüchtig auf die Muffins geguckt, denn man bietet uns welche an, mit der Begründung, wir hätten so sehnsüchtig geschaut <3.
Die Muffins haben übrigens göttlich geschmeckt und sahen zuckersüß aus. Meiner hatte bunte Herzchen auf dem Frosting!

Leider gab es dieses Jahr keine Foodboxen. Die fand ich das letzte Mal sehr genial und halte sie für einen guten Weg, um mal in japanische Süßigkeiten reinzubeißen und etwas Neues zu probieren. Aber dafür gab es diese Schätzchen:

„Keine Ahnung, was wir da essen“ trifft es übrigens ziemlich gut. Das Meiste konnten wir am Geschmack irgendwie einordnen (große Erdnussflips, große Erdnussflips in Scharf, Kartoffelchips, essbare Stempel, Zuckerwatte), aber ich habe nach wie vor keine Ahnung, was dieses eine mit Pfirsichwasser und (Frucht-?)Fleisch (?) gefüllte Ding war, das wir da gegessen haben.

Vor allem auf das Pfirsichding bezog sich auch dieser Tweet:

Niemand von uns kann Japanisch (oder auch nur die Zeichen lesen) und die Verpackungen sagen nur teilweise etwas über ihren Inhalt aus. Dort, wo die Chips drinwaren, haben wir z.B. süßes Gebäck vermutet 😀 . Aber irgendwie hat genau das den Reiz ausgemacht. Leckere Snacks probieren und raten, was wir da essen.

Am Ende wurde ich beim Tetris dann doch nur Zweite, aber das macht nichts. Das One-Piece-Trinkglas, das ich gewonnen habe, ist herrlich bunt und ich freue mich sehr darüber. Außerdem ist an einem Turnier nicht immer das Gewinnen das Schönste. In diesem Fall war es der Spielspaß (auch wenn der sich jetzt in Form eines Muskelkaters rächt), die tolle Zeit mit tollen Menschen und der Lerneffekt, den ich beim Spielen hatte.

Außerdem habe ich mich getraut, nach vorne zu gehen und mit meiner Schwester ein Lied vor der Karaoke-Leinwand zu singen. Das erste Mal in meinem Leben!

Nach der Con

Irgendwann waren wir alle müde. Und ich meine so richtig „Ich kann keinen Schritt mehr laufen“-müde. Zum Glück fanden wir den Rückweg zum Bahnhof wesentlich leichter als den Hinweg und mit dem Zug war es dann auch nicht sehr weit.

Alles in einem: Ich glaube, diese Con wird mich auch ein drittes Mal noch sehen. Während ich letztes Jahr möglichst viel shoppen und mitnehmen wollte, ließ ich es dieses Jahr ruhiger angehen und hatte mindestens doppelt so viel Spaß.

Es war unglaublich entspannt, wieder sehr bunt und sehr herzlich.

* Im Artikel zur Convention 2015 habe ich zahlreiche Tipps für den angehenden Conventiongänger und allgemeine Informationen über die Veranstaltung. Falls ihr also auch mal hingehen wollt, findet ihr dort zahlreiche Infos für Erstbesucher.

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2 Gedanken zu “WieMaiKai 2016 – ich war am Samstag dabei

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