#LOVEWRITINGCHALLENGE – Tag 15 – Liebe

Das heutige Thema wird – ich warne schon mal vor – zu einem langen Post führen. Wie ich schon im Ankündigungspost geschrieben habe, habe ich es ja so gar nicht mit der Liebesgeschichte als Sub- oder gar als Hauptplot. Das liegt nicht zuletzt daran, dass ich – wie die meisten Autor*innen – einfach das schreibe, was ich gerne selbst lese. Und hier kommt etwas, das für die Stammleser eher wenig überraschend sein dürfte, aber für einige allein deshalb, weil ich eine Frau bin, etwas schockierend sein dürfte:

Ich lese keine Liebesromane und keine Romantasy.

Das liegt nicht daran, dass ich arrogant bin, mich für etwas Besseres halte oder was weiß ich. Oder daran, dass ich Liebesromane in irgendeiner Weise verachte. Klar, ich sehe so manche Tendenz mehr als kritisch – aber ich kann auch differenzieren und weiß, dass nicht alle modernen Liebesromane in diese Richtung gehen. Aber die meisten von ihnen behandeln einfach eine Art von Liebe und Beziehung, mit der ich wenig anfangen kann (der geheimnisvolle Fremde, Liebe auf den ersten Blick, blitzartig aufkommende Anziehung der beiden Love-Interests), weil ich in der Hinsicht selbst völlig anders ticke und mir daher die verliebten Leutchen in Büchern meist so fremd sind, dass ich mich in sie nicht hineinversetzen kann. Vampire? Fabelwesen? Aliens? Menschen aus völlig anderen Kulturräumen? Alles kein Problem. Aber keine Lovey-Dovey-Liebespaare.

Habe ich inzwischen für mich akzeptiert und erspare mir viel Frust, indem ich für mich vermutlich unpassende Bücher einfach gar nicht erst kaufe und lese.

Aber ganz ohne Liebe geht es auch bei mir nicht

Wieso auch? Liebe ist ein starker Motivator: Liebe macht blind und sorgt so dafür, dass man unter Umständen der völlig falschen Person vertraut oder die falsche Person in die Verbannung oder in den Tod schickt. Oder sorgt im Gegenteil dafür, dass die liebenden Personen über sich hinauswachsen.

Aber: Warum Liebe eigentlich immer als romantische Anziehung zwischen zwei Personen schreiben, die

a) sofort erfolgt, sobald die vorgesehenen Love-Interests einander ansichtig werden
b) nach einer Weile erfolgt, nachdem die vorgesehenen Love-Interests einander gaaanz lange demonstrativ nicht leiden können?

Es gibt so viele weitere Arten, Liebe in die eigenen Romane einzubringen, dass es mich immer wieder erstaunt, wie oft es in Büchern auf die romantische (oft dazu zusätzlich heterosexuelle) Liebe reduziert wird. So viele Arten von Liebe.

  1. Familienliebe (Mutterliebe, Vaterliebe, Geschwisterliebe, Liebe den Eltern gegenüber, Liebe der erweiterten Verwandschaft gegenüber) – das ist ein Thema, auf das ich im Rahmen des „Familien-Tags“ in der Challenge noch zu sprechen komme.
  2. Platonische Liebe – es muss nicht immer darauf hinauslaufen, dass zwei sich nicht einfach nur lieben, nein, dass sie sich am Besten auch noch die Kleider vom Leib reißen wollen. Ein Thema, dem ich mich ab dem zweiten Band von #7Leben ausgiebig widmen werde.
  3. Nicht-romantische Formen von Liebe – warum muss es zwischen zwei Menschen immer hachseufz-gefühlig sein? In Band 1 von #7Leben führt die aromantische Protagonistin eine Beziehung, die nicht auf der „klassischen“ Definition von Liebe beruht – aber zwischen ihr und ihrem Partner herrscht eine tiefe Vertrautheit, großer gegenseitiger Respekt und eine enge Verbundenheit.
  4. Liebe zur Heimat – und zwar sowohl in der in meinen Augen völlig bescheuerten Form, in der sie uns aus der rechten Ecke begegnet (hey, in Büchern soll es auch fehlgeleitete Charaktere geben!) als auch in positiveren Formen. Bestimmt kennt jede*r Leser*in hier mindestens einen Film oder eine Geschichte, wahlweise im Wilden Westen oder woanders spielend, in der es darum geht, dass die Heimatfarm der Hauptfigur nicht an den bösen Landbesitzer fallen darf (weil der einen Supermarkt dort bauen will oder das Land aus welchem Grund auch immer selbst gerne hätte). Und natürlich wird die Farm sowohl aus Liebe zur Familie als auch zur Heimatfarm selbst bis aufs Blut verteidigt. In #Unparallel lasse ich die Leser*innen unter anderem daran teilhaben, wie sich im Laufe der neun Bände meine Protagonistin an ihre Heimat bindet – und was sie am Ende zu tun bereit ist, um ihre Heimat zu schützen.
  5. Freundesliebe – man liebt ja auch seine Freunde. Nur eben anders als einen Partner. Dazu morgen mehr.
  6. Selbstliebe – Psycholog*innen sagen oft, dass nur diejenigen andere Menschen lieben können, die sich selbst lieben. Sowohl zu viel als auch zu wenig davon kann jedoch schädlich sein. In einem meiner zukünftigen Romanprojekte möchte ich über überhöhte Selbstliebe – den krankhaften Narzissmus – schreiben. Und oft spielt Selbstliebe in meinen Vampirromanen eine Rolle. Wie kann man lernen, sich selbst zu lieben und zu akzeptieren, wenn man ein (im Falle einiger gläubiger Protagonist*innen) von Gott/den Göttern verfluchtes Monster geworden ist? Und was macht sowas eigentlich mit der Psyche?
  7. Polyamore Formen – Wieso muss es immer die Zweisamkeit sein? Konstellationen mit mehr als einem Partner hat es in der Menschheitsgeschichte immer wieder gegeben. In der Literatur verdienen diese Formen es, nicht nur als exotisch-sinnliches Konzept dargestellt zu werden, sondern auch mal vollwertig geschrieben zu werden. Wie fühlen sich Menschen, die sich zu mehreren Personen gleichwertig hingezogen fühlen?
  8. Weitere Formen, die mir gerade nicht einfallen wollen :D.

 

Die volle Vielfalt der Lebensentwürfe

In meinen Romanen ist es mir wichtig, möglichst viele Lebensentwürfe gleichberechtigt nebeneinander zu stellen und zu zeigen, dass es mehr „richtige“ Arten zu leben gibt als den der durchschnittlicher, weißer, binärgeschlechtlichen, heterosexuellen Europäer.

Das Konzept von Liebe, wie es derzeit in den meisten modernen Büchern zu finden ist, ist tatsächlich ein recht modernes. Noch im Vorfeld des ersten Krieges war es vergleichsweise normal, dass Frauen in jungen Jahren ohne großartige Diskussionen verheiratet wurden und sich dann in einer Ehe zu arrangieren und zu fügen hatten.

Dennoch gab es auch immer Ausnahmen – und interessante Geschichten, die sich daraus ergeben können.

Ich habe beispielsweise einen schwulen Normannen, der bei der Schlacht von Hastings mitgekämpft hat. Will ich authentische historische Fantasy schreiben, dann liegt für mich auf der Hand, dass er mit seiner Art zu lieben eine Menge Probleme bekommt. Selbstverständlich muss er nämlich trotzdem eine Frau heiraten, mit ihr für Nachkommen sorgen und als treuer, loyaler Krieger seinem Lehnsherren Wilhelm dem Eroberer dienen. Aber ich möchte mit seiner Geschichte nicht zeigen, dass an ihm irgendetwas falsch ist oder ihn „bestrafen“. Denn das ist der größte Unsinn auf Erden. Also schreibe ich seine Geschichte so, dass deutlich wird, dass seine Art zu lieben genauso legitim ist wie jede andere auch – für ihn und für mich. Die Probleme mit seiner Umgebung und sein Hadern mit sich selbst – schließlich bekommt er von der Umwelt eingeimpft, wie „sündig“ solches Verhalten sein – geben seiner Geschichte einen Konflikt. Und dann verliebt er sich auch noch in den Falschen…

Dagegen finde ich es immer sehr schade – und das Setting verschwendet – wenn jemand zwar eine eigene Welt erfindet oder historische Romane schreibt, aber alle Menschen dort (oder wahlweise auch nur die Hauptfigur und deren Freund*innen) völlig moderne Ansichten über das Leben und die Liebe haben. Und am Ende eine „stinknormale“ Liebesgeschichte erzählt wird, nur mit etwas exotischerem Setting.

Gerade das andere Setting, das Hineindenken in die andere Art zu leben – und auch zu lieben – und daraus stimmige Charaktere zu schaffen, ist zumindest für mich doch der Reiz am Schreiben in außergewöhnlichen Settings.

Mit anderen Worten: Ich schreibe zwar keine Liebesgeschichten, aber ich schreibe gerne über vielfältige Arten von Liebe in Geschichten.

Habe ich irgendeine wichtige Art zu lieben vergessen? Gibt es etwas, worüber ihr mehr wissen wollt und was nicht von einem der künftigen Themen abgedeckt wird?

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8 Gedanken zu “#LOVEWRITINGCHALLENGE – Tag 15 – Liebe

  1. Ich hab’s ja mit der „slow burn“-Variante. Oder mit Leuten, die erst Sex haben und später Gefühle entwickeln. Die zwei von dir aufgezählten „klassischen“ Varianten sind eher nicht so mein Fall, wenn’s ums Schreiben und Lesen geht, und die Variante 1 „gleich die große Liebe“ führt bei mir vor allem zu Spott – schon wieder wer, der Begehren und Liebe nicht auseinandergedröselt bekommt …
    Mehr Arten von Liebe fallen mir allerdings auch nicht ein. Höchstens ein Mensch und sein treues Haustier? Aber immerhin, ich hab meinen Leser*innen schon eine aromantische Poly-Konstellation untergeschoben. Keine Ahnung, ob’s wer gemerkt hat.

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    1. Slow burn gefällt mir in Büchern auch. Wenn, ist das fast die einzige Art Liebesgeschichte, die ich in Büchern wirklich gerne lese. Vielleicht, weil durch das slow eben klar wird, WIESO da überhaupt diese Anziehung vorhanden ist. Während dieses „Boom! Liebe auf den ersten Blick!“ für mich echt… ich verstehe das nicht :D.
      Ich habe auch den Fall, bei dem zwei miteinander ins Bett gehen, aber nur bei einer der Personen Gefühle im Spiel sind, während die andere sowas gar nicht haben kann. Und dann muss beschrieben werden, glaubhaft, dass Person zwei eben NICHT die „böse“ Person ist, sondern halt nicht aus der eigenen Haut kann…
      Und ja, Begehren und Liebe können zusammen auftreten, müssen aber nicht.

      Aromantisch und poly finde ich aber interessant. Ich muss endlich mal deine Bücher lesen :O

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      1. 😛 Tja. Ich hätte da slow burn anzubieten, logischerweise …
        Und ja, unterschiedliche Erwartungen an eine Beziehung können schon fies sein und Leute sehr verletzen. Klare Kommunikation wäre schön, aber dann hätten wir wesentlich weniger zu erzählen …

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  2. Sehr interessanter Beitrag. 🙂

    Wie ich in den Charakter-Beiträgen schon geschrieben habe, lasse ich meine Charaktere sprechen, wenn es darum geht, in wen sie sich verlieben. Leider ist das dann manchmal auch das Klischee des erst nicht verstehen (wollen), auch wenn ich versuche zu variieren.
    Bei einem Pärchen ist er aufgrund von Vorurteilen zu ihr grantig, merkt dann aber, dass das alles nicht stimmt und wird dann freundlicher, was sie dann auch ein wenig besänftigt, bis sie beide begreifen, dass sie sich doch blöderweise ineinander verknallt haben…(Lustigerweise war das Pärchen NICHT geplant und der „typische“ Streit-Kuss der beiden sollte nur für eine angedeutete – egtl. auch bisschen fiesere – Hintergrund Geschichte führen, wodurch sie ihn trotz/durch seiner Gefühle an ihre Seite binden will, aber wie schon gesagt, dann haben sie sich blöderweise ineinander verliebt und ich musste umdenken…)
    Bei einem anderen Paar versucht er sie auf Abstand zu halten, indem er sie angiftet, auch wenn er sie da schon attraktiv findet (und auch schon – im „Rausch“ – geküsst hat) bis sie ihn irgendwann zur Rede stellt und er ihr erklärt, warum es vermutlich keine so gute Idee ist, wenn die beide was miteinander anfangen…
    Für dich vermutlich trotzdem beides langweilig…du würdest vermutlich bei den ersten die Ursprungsfassung bevorzugen? 😉

    Meinen Beitrag wird es erst wieder am Donnerstag für alles geben, aber so ausführlich wird das da nicht…

    P.S. Liebesromane lese ich nur in sehr, sehr, sehr seltenen Ausnahmesituationen, wenn es entweder nicht erkennbar ist oder der Klapptext so ulkig klingt, dass ich dann doch neugierig werde (z.B. Warum Engel nie Mundharmonika spielen von Karin Koenicke, dass ich über das #Projekt24 entdeckt habe. 😉 ).

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    1. Ich lasse meine Charaktere auch sprechen, ob sie sich verlieben. (Meine liebste Anekdote ist immer noch die von S., der ich einen Love-Interest zugedacht habe – aber sie wollte ihn nicht haben, da sie asexuell ist. Und hat ihn kurzerhand angezündet. Seitdem… lasse ich meine Charaktere selbst entscheiden 😀 )
      Bei „Unparallel“ hat sich ab Band 4 auch ein Liebessubplot eingeschlichen, den ich so überhaupt nicht vorhergesehen habe, aber er war auf einmal da und als die zwei ihre Finger voneinander nicht lassen konnten, hatte ich einen riesigen Skandal und einen neuen Plotpoint :O

      Und hey, wenn deine Charaktere es nun mal so wollen, ist es egal, was ich interessanter fände oder du lieber schreiben würdest :D. Wenn die das so wollen, sind wir machtlos ❤

      Ich lese die ja gar nicht :D. Aber ich habe z.B. trotzdem "Der Stern von Erui" geliebt, obwohl das eine Liebesgeschichte ist. Weil das eine Art von Liebe ist, die ich nachvollziehen konnte.
      (Und ja, da klingt schon der Titel so herrlich anders und unkonventionell! Ich finde es so cool, dass du durch das Projekt eine neue Autorin entdeckt hast ❤ )

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      1. Da fragt man sich manchmal wer nun der Meister und wer die Marionette ist, wenn man das Leben eines Autoren so betrachtet… >_<

        (Die Figuren sind auch so ulkig, dass man sie mögen muss…egal wie schnulzig sie manchmal sind… Und dazu noch 23 tolle Geschichten gelesen 😉 )

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