#LOVEWRITINGCHALLENGE – Tag 16 – Freundschaft

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16. Mai 2017 von Evanesca Feuerblut

Wie schon im Ankündigungspost angedeutet – Freundschaft ist wichtig. Und ich habe das Gefühl, dass in letzter Zeit Freundschaft zu oft zugunsten einer Liebesgeschichte aus vielen Romanen rausfliegt. Und ja, das ist ein Problem. In meinen Augen sogar ein ziemlich großes.

Das Problem mit Freundschaften in Büchern…

… fängt für mich irgendwo im neunzehnten Jahrhundert an und hat was mit Homophobie zu tun. Aus heutiger Sicht völlig harmlos anmutende Geschichten konnten besonders im viktorianischen Zeitalter bereits anstößig wirken und so hat man „tiefe Männerfreundschaften“ und „Frauen als Schwestern und beste Freundinnen“ geschrieben – und zwar auf eine Art und Weise, die für die damaligen Leser*innen durch Kleinigkeiten, Symbolismus (Blumensprache o.ä.) eindeutig sexuell konnotiert war, aber dennoch weit genug unter dem Radar flog, um nicht gegen die damaligen Gesetze zu verstoßen.
Wenn man dann mit Romanen aus dieser Zeit als Kind/Jugendliche*r in Verbindung kommt (okay, mit „man“ meine ich eigentlich „ich“ 😀 ), dann schreibt man – weil man gerade als Anfänger schreibt, was man am häufigsten liest – Freundschaften selbst so. Und wundert sich dann über die hochgezogenen Augenbrauen einiger Erwachsener.
(Was unweigerlich dazu führte, dass 80% meines Figurencasts von mir selbst später als queer erkannt wurden – aber erfunden habe ich sie, als ich keine Ahnung hatte, was ich da schreibe.)

Und auch wenn wir inzwischen im 21sten Jahrhundert leben, ist es nach wie vor nicht selbstverständlich, die Geschichten queerer Menschen auch als solche zu erzählen. Oder überhaupt die Geschichte queerer Menschen (Fabelwesen, Vampire, Aliens…) zu erzählen. Zumindest wenn wir von Großverlagen ausgehen. Und auch wenn ich mich in einer Filterblase bewege, in der ich fast ausschließlich Indies lese und es dort zum Glück ganz anders aussieht… ist mir doch bewusst, dass die meisten Großverlage nun mal nach wie vor überwiegend heterosexuelle Geschichten erzählen. Und außerhalb der Kinderliteratur vor allem für Erstleser auch eher über Liebe als über Freundschaft.

Darum gibt es ja die reichhaltige Slash-Szene in so gut wie jedem Fandom. (Ich selbst lese sehr gerne Drary, falls euch das was sagt. Und ich shippe sogar zwei ahnungslose Männer in der eigentlich romantikfreien, wunderbaren Buchreihe von Anja Berger. Ich weiß also, wovon ich spreche, ich bin selbst so 😀 .) Es ist ein Bedarf nach romantischen Geschichten mit gleichgeschlechtlichen Protagonist*innen da, aber dieser wird vom allgemein bekannten Buchgroßmarkt unzureichend gedeckt. Also interpretiert man in Freund- und Feindschaften eine (potentielle) Liebesbeziehung hinein – man kennt es ja von den Viktorianern, nur dass die es genau umgekehrt gemacht haben.

Und wie soll man das Problem lösen? Wie löse ich das Problem?

Klingt bescheuert und banal, aber ich versuche einfach, beides zu haben.

In meinem gestrigen Blogpost zum Thema „Liebe“ habe ich ja erwähnt, dass meine Charaktere jede sexuelle/romantische Orientierung haben dürfen, die mir bekannt ist. Damit habe ich schon mal den einen Feind der Freundschaft in meinen Romanen besiegt, nämlich die mangelnde Repräsentation. Wenn dort welche befreundet sind, dann sind sie auch wirklich nur befreundet :). Wenn es anders wäre, dann würden das die Leser*innen ziemlich schnell merken, denn ich verstecke die Orientierung meiner Romanfiguren nicht.

In „Unparallel“ gibt es unzählige Freundschaften zwischen den Menschen in meiner (in gewissem Maße fiktiven) Stadt und meiner asexuellen Protagonistin. Freundschaften, die so weit gehen, dass man mal eben wildfremde Menschen hinter ihrem Bett verstecken kann, während sie schläft. Oder die sie telepathisch aus dem Bett „klingeln“, noch während es Tag ist.
Y. würde für ihre Freunde – genauso wie für ihre Familie und für ihre neue Heimat – so ziemlich alles tun, außer vielleicht durchs Feuer zu gehen (das will man ihrer Spezies auch geraten haben!) und ihre Freunde erwidern das meistens, indem sie auch ihr einige Freiheiten erlauben, die nur mit einer wirklich guten Freundschaft zu erklären sind. Wie beispielsweise, dass sie zu jeder noch so ungünstigen Nachtzeit mal eben vorbeischneien und irgendwas verlangen darf. Wie beispielsweise ein offenes Ohr für ihre Sorgen.
Allerdings ist meine Protagonistin nicht die einzige. Einen Beweis dafür, dass Freundschaft mindestens genauso tief gehen kann, wie Liebe, bietet auch die Freundschaft zwischen der Schwester meiner Protagonistin und deren bester Freundin. Praktischerweise haben die zwei auch politisch einige Dinge miteinander zu besprechen und können sich so oft sehen – doch ihre Verbundenheit hat nicht nur positive Folgen.

Und ich versuche auch immer, die ganze Bandbreite an Freundschaften zu zeigen. Nicht nur reine Frauen- oder reine Männerfreundschaften, sondern auch tatsächlich Fälle, in denen verschiedene Geschlechter miteinander befreundet sein können.
Dass Männer- und Frauenfreundschaften nicht funktionieren, gleichgeschlechtliche Freundschaften aber schon, weil da ja keine Liebe zwischenfunken kann, ist ja auch wieder so eine heteronormative Geschichte, wenn man anfängt, darüber nachzudenken. Kann also in den Welten, die ich schreibe, ohnehin nicht funktionieren als Konzept. Also habe ich alles: Freundschaft zwischen allen Konstellationen, Liebe zwischen allen Konstellationen.

Irgendwie habe ich den Faden verloren, was ich euch eigentlich erzählen wollte. Und die ganze Zeit das Gefühl, am Thema vorbeigeschrieben zu haben. Keine Ahnung.

Wie seht ihr das Ganze denn? Habe ich irgendwas vergessen in meiner Verpeiltheit?

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7 Kommentare zu “#LOVEWRITINGCHALLENGE – Tag 16 – Freundschaft

  1. Nebu sagt:

    Ich finde es sehr spannend zu lesen, wie Deine Gedanken zur Freundschaft, dargestellt in Büchern oder eben auch „in echt“, sind. So etwas, unter anderem bezogen auf die historischen Romane, wäre mir gar nicht in den Sinn gekommen. Aber Du hast völlig recht, wenn ich jetzt so drüber nachdenke, fühle ich mich an die eine oder andere Szene erinnert, in der ich beim Lesen tatsächlich so einen Eindruck von „haben die was miteinander und wenn nein, warum nicht?“ hatte, obwohl es ‚offensichtlich‘ nur eine enge Freundschaft darstellen sollte. Und (nicht nur) an dieser Stelle ist es mir auch völlig egal, welches Geschlecht die Handelnden haben und/oder fühlen.

    Ich finde nicht, dass Dein Beitrag konfus geschrieben ist und habe auch nicht den Eindruck, Du hättest etwas vergessen. Freundschaft als etwas anzunehmen, was eben bedeutet, auch nachts aus dem Bett geklingelt zu werden, halte ich für wichtig. Klar, es gibt Freundschaften, die nicht so weit gehen, aber vielleicht sind das dann nur oberflächlich Freund- sonder tatsächlich eher Bekanntschaften. Aber auch da sind die Grenzen vermutlich verwaschen, genau wie bei Liebe und Freundschaft.
    Mir persönlich ist es zum Beispiel viel wichtiger, jemanden als guten Freund gewonnen als mir eine Partnerschaft an Land gezogen zu haben. Auch Freundschaften können zerbrechen (oder im Sande verlaufen), aber meiner Erfahrung nach zerbrechen Liebesbeziehungen schneller.

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    • Ich freue mich total, dass mein Blogpost sozusagen neue Denkanstöße hervorgebracht hat! 😀 Und nicht wahr, das kommt in historischen Romanen oder in älteren Büchern öfter vor, als man glauben würde…
      Mir geht es insofern ähnlich, dass ich lieber einige wenige dafür sehr gute Freunde haben möchte (und ja, wenn man nicht mehr 18 ist, ist es irgendwann schwer, da neue Freunde zu finden), als viele flüchtige Bekanntschaften (Wie ist es bei dir eigentlich? Ich kann mit Smalltalk und unverbindlichem Gerede über gar nichts irgendwie überhaupt nichts anfangen, mich würde es total belasten, so eine Bekanntschaft pflegen zu müssen :O ). Aber meinen Freund würde ich auch nicht mehr hergeben wollen :D.

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      • Nebu sagt:

        Ganz unterschiedlich.
        Smalltalk im Sinne von „Boah, jetzt regnet es wieder die ganze Zeit.“ oder „Hast Du schon mitgekriegt, dass XY sich von AB getrennt hat?“ kann ich auch nichts abgewinnen (zumal ich finde, dass sich übers Wetter zu ärgern einfach sinnlos ist, weil man es sowieso nicht ändern kann und auch „schlechtes Wetter“ gute Seiten hat, zum Beispiel dass die Sonne nicht so auf dem Computerbildschirm reflektiert 😀 ). Ich versuche mich seit Jahren daran, positiv zu denken und mittlerweile ist es mir in so vielen Bereichen wirklich in Fleisch und Blut übergegangen, dass es mich geradezu aggressiv macht, wenn andere Leute ständig nölen.
        Tatsächlich habe ich übers (damalige) Liverollenspiel und überhaupt über diverse Hobbies einen großen Bekanntenkreis eine Menge Leute, die irgendwas zwischen Bekannten und Freunden sind, aber tatsächlich nur zwei wirklich enge Freundinnen. Dauernd findet irgendwo irgendeine Geburtstags-, Helloween- oder Hochzeitsfeier statt und dauernd könnte ich da gefühlt 3/4 meines gesamten Bekanntenkreises treffen, aber oft habe ich dazu gar keine Lust (mehr). Ich merke, wie es mich teilweise ganz schön Kraft kostet statt mir welche zu spenden. Also quasi ähnlich, wie Du es beschreibst. Die Formulierung ‚unverbindliches Gerede über gar nichts‘ ist sehr schön.
        Und Twitter ist da ganz böse, wenn man zum falschen Zeitpunkt durch irgendwelche nichtssagenden Timelines blättert oder die falschen Trolle findet. O.o

        Aber es gibt ja auch die Art ‚Smalltalk‘, wenn man Hobbies teilt und mehr oder weniger belangloses Zeug zu diesem Thema erzählt. Ich kann vielleicht nicht aus jedem Gespräch Wissen und Erkenntnisse ziehen, habe aber vielleicht trotzdem eine angenehme Zeit verbracht. (Vielleicht so wie wir jetzt?)
        Mag ja sein, dass so eine Blogparade eben auch Smalltalk ist. Du erzählst von Deinen Sichtweisen, ich, wie ich irgendwelche Charaktere einbaue und andere vielleicht, was sie schon erlebt haben. Da finde ich Smalltalk geradezu grandios. ❤

        Und nein, meinen Kerl lass ich auch nicht wieder gehen 🙂 Der ist ja auch mindestens genauso schräg drauf und hat merkwürdige Hobbies.

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        • Um ehrlich zu sein empfinde ich das, was hier auf dem Blog läuft, gar nicht als Smalltalk. Wir reden über – je nachdem – unsere Hobbys bzw. über unseren Beruf, das Schreiben. Und das ist für mich kein Smalltalk mehr, sondern total schön (und der Grund, einen Blog zu haben – die eigenen Gedanken mit anderen teilen und daraufhin etwas von den Gedanken anderer zurückbekommen. Das ist etwas Wundervolles).

          Und du hast mal gelarpt? Wie cool ist das denn :D. Aber ja, ich verstehe, wenn man sich entfremdet. Und wenn man vor allem aus Zusammenschlüssen vieler Menschen keine Energie zieht, sondern welche verliert.
          (Das läuft dann unter „Introvertiert sein“ und habe ich auch. Meine absolute Schmerzgrenze sind eigentlich zehn Leute rund fünf Stunden lang, danach bin ich müde. Da hilft es mir nur, einen „Anker“ mitzunehmen, mit dem ich mich kurz zurückziehen kann. Oder mich auf dem Klo mit dem Handy zu verstecken, Zeit für mich zu tanken und dann erst zurückzukehren zur Gruppe. Sonst drehe ich durch.)

          Ach, mit Twitter habe ich jetzt eigentlich recht gute Erfahrungen, aber ich habe dort auch zu 80% Kolleg*innen in der Timeline und wenn ich mal über das Wetter meckere (da mein Kreislauf bei so gut wie jedem Wetter spinnt :/), kriege ich oft handfeste Tipps, wie ich meine Lage etwas leichter machen kann (erst neulich: Flasche mit gefrorenem Wasser in einem überhitzten Raum aufstellen – das mache ich ab jetzt im Sommer immer, das ist großartig). Aber ja, es GIBT dort auch Trolle :(. Ich hatte bisher zum Glück keine Begegnungen mit ihnen, aber es gibt sie.

          Aber ja, das hier jetzt finde ich auch sehr angenehm :).

          Ein Hoch auf die wundervollen, schrägen Kerle mit merkwürdigen Hobbys, die es mit ihren Autorinnen aushalten ❤

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          • Nebu sagt:

            ‚Merkwürdig‘ trifft für unsere Hobbies im wahrsten Wortsinne zu – sie sind es würdig, dass man sie sich merkt 😀

            Hmja, von 2002 bis etwa 2013 oder so habe ich gelarpt. Die ersten Jahre war es absolut großartig und ich hatte tolle Gruppen, tolle LARP-Freunde (also Freundschaften zwischen den Charakteren) und tolle Orgas mit tollen Ideen, aber die letzten zwei drei Jahre habe ich mir immer häufiger gedacht, dass ich mit meinem Geld und vor allem meiner Zeit an einem langen Wochenende echt was besseres hätte anfangen können.
            Die besagten tollen Freunde und mit ihnen die In-Game-Freundschaften hörten nach und nach auch auf, die Cons wurden immer teurer, das Angebot immer weniger gut und meine Gesundheit immer fragiler (was sich zum Glück jetzt wieder deutlich stabilisiert hat… toi toi toi) und als ich mich ganz bewusst damit auseinandergesetzt habe, tatsächlich offiziell mit LARP aufzuhören (und nicht immer im Hinterkopf zu haben, da und dort ist noch ein Termin, Du könntest ja…), bin ich richtig erleichtert gewesen O.o Auch so kann’s gehen.

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  2. Und wieder ein toller Beitrag…in meinem eigenen hab ich das nicht so schön ausgedrückt, aber ich finde es schwer Sachen zu erklären, die ich selbst als selbstverständlich ansehe…
    Liebe und Freundschaft sind irgendwie zwei Sachen die zusammen gehören.
    In jemanden verliebt sein, mit dem man nicht „Pferde stehlen“ kann, klingt nicht richtig, genauso wenig, wie für jemanden durchs Feuer zu gehen ohne etwas für denjenigen zu empfinden. Man muss ja nicht mit der Person ins Bett wollen…

    Ich glaube die Pairing Diskussion hatten wir irgendwo schon mal, deswegen geh ich da jetzt nicht weiter drauf ein…

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    • Awww, danke! Vor allem, weil er mir so furchtbar konfus vorkommt, da tut die Bestätigung gerade SO gut ❤

      Stimmt… Liebe und Freundschaft sind gar nicht so leicht zu trennen… Ich habe ja im Beitrag davor auch die Liebe zu Freunden erwähnt. Das geht genau in diese Richtung, ich finde es so schade, dass Liebe oft aufs Bett reduziert wird. Eben weil es so viele Arten davon gibt…

      (Und ich kann mich nur in jemanden verlieben, mit dem ich auch befreundet sein will, stimme dir also vorbehaltlos zu 😀 )

      Ja, die Pairing-Diskussion hatten wir immer wieder. Das Thema beschäftigt mich einfach zu sehr, fürchte ich. Weil es ein sensibles ist und eins, über das ich immer wieder schreibe und trotzdem gefühlt zu wenig…

      Gefällt 1 Person

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