#LOVEWRITINGCHALLENGE – Tag 18 – Tod und Verlust

Bei diesem Thema habe ich schon im Überblick angedeutet, dass es zentral ist. Manchmal finde ich es schade, dass ich so überhaupt nicht singen kann, sonst würde ich beim Schreiben gelegentlich eine gewisse Arie schmettern. Zumindest den Anfang davon. Tod und Verzweiflung gibt es bei mir nämlich in rauen Mengen.

Teilweise ist das themen- und genrebedingt. Bis auf genau EIN Buch von 14 geschriebenen sind bisher alle meine Werke entweder was mit Vampiren (das Thema Tod und Verlust ist damit vorprogrammiert) oder dystopisch (da sterben also auch welche) und dass ich auch schon für meine Magierromane (die noch nicht mal anständig angeplottet sind) auch schon einige feststehende Charaktertode habe, wundert wohl niemanden…

Verlust ist bei mir allerdings ein ziemlich weites Feld…

Verlust des eigenen Selbst

Eigentlich ein sehr klassisches Motiv, das in vielen Romanen eine Rolle spielt. Im Grunde genommen findet sich das in so ziemlich jedem Questroman, bei dem irgendein bis dahin unbedarfter mehr oder weniger junger Mensch auf einmal erfährt, der Auserwählte zu sein. Oder in Wahrheit ein Dämon/eine Fee/ein Engel/sonstein Geschöpf zu sein. Mit anderen Worten: Die Hauptfigur erfährt etwas über sich selbst, was das ganze Selbstverständnis jener Figur zum Wanken bringt oder zerstört.
Klingt vielleicht banal, aber es ist eins der einschneidendsten Erlebnisse, die ein Mensch haben kann. Geschieht dies in der Pubertät – wenn ein Mensch ohnehin am Anfälligsten für Veränderungen ist, deshalb sind ja die Held*innen so vieler Romane Teenager – oder in der Erwachsenenzeit – wenn der Mensch sich bereits vollständig in einem bestimmten Leben eingerichtet hat – sind die Folgen verheerend für die eigene Psyche. Man verliert sozusagen das, was man vorher war.
Und muss sich mit diesem neuen, fremden Selbst auseinandersetzen und es erstmal verdauen. Sich mit diesem neuen Ich, diesem neuen Selbstbild anfreunden.

Auch wenn ich keine Questromane schreibe, habe ich tatsächlich z.B. in MV mehrere dieser Kandidaten, die von dieser Art von Verlust geprägt werden. Sie erfahren, dass sie nicht die sind, die sie jahrelang zu sein glaubten. Und haben parallel noch mit einigen anderen unschönen Angelegenheiten zu kämpfen, die auf den ersten Blick das Anfreunden mit dem neuen Ich überschatten. Aber früher oder später holt es sie ein – denn man kann vor allem weglaufen: Aber nicht vor sich selbst.

Bei meinen Vampiren ist das ein gutes Stück gravierender.

Selbst diejenigen, die bewusst der Verwandlung zustimmten und dabei über die Konsequenzen halbwegs aufgeklärt waren (Spoiler: So ziemlich die Wenigsten), haben eine fiese Identitätskrise. Nur in Ausnahmefällen und in der Regel höchstens für wenige Jahrzehnte ist es möglich, das alte Leben weiterzuführen und selbst das nur in limitierter Form. Nur nachts das Haus verlassen zu können, ist dabei das kleinste Übel: Um selbst zu überleben, müssen sie nun zu Mörder*innen werden. Ein tiefer Einschnitt für alle, die nicht schon vorher mordend durch die Welt gezogen sind.

Alle meine vampirischen Charaktere haben andere Taktiken, wie sie damit umgehen wollen. Und das ist immer ein wesentlicher Teil ihrer Geschichte und ihrer Entwicklung.

Der Verlust eines geliebten Wesens

Jeder Verlust tut weh – sei es der des liebsten Haustieres, eines Elternteils, von Geschwistern, Kindern oder von Partner*innen. Und ich habe es bereits angekündigt, bei mir darf gestorben werden.

Einige Verluste geschehen vor dem Beginn der eigentlichen Geschichte und gehören zur Backstory der Charaktere. Der Protagonist des G-Projekts verliert seine Eltern im Alter von fünf Jahren, einige Jahre später (aber immer noch als Kind) die letzte lebende Bezugsperson zur Familie. Und das auf eine Weise, die dafür sorgt, dass er sein ganzes Leben auf Rache an einer bestimmten Person ausrichtet.

Andere wiederum finden direkt im Verlauf der Handlung statt. In #Unparallel 5 hat der (angebliche) Tod eines Familienmitglieds so weitreichende soziale Folgen für die Familie, dass kaum Zeit zum Trauern bleibt – die Hinterbliebenen müssen sich gegen handfeste Gefahren wehren, um nicht mitzermalmt zu werden. In #Unparallel 7 und 8 geht es immer wieder um Fehl- und Todgeburten. Und um einen Krieg, in dem fleißig gestorben wird.

Nicht zuletzt ereilt vor allem die unsterblichen Figuren jedoch vor allem ein Schicksal: Mitansehen zu müssen, wie die Menschen um sie herum an Alter und Krankheit sterben. Nicht alle können – und nicht alle wollen – verwandelt werden. Aber für die Vampire ist es ein Abschied für immer. Und immer ist eine sehr lange Zeit. Sogar, wenn man mehrere Jahrhunderte alt ist.

Tod und Verlust als das, was das Leben und das Glück erst leuchten lässt

Ich schreibe ja seit ich vierzehn bin über Vampire und da wird man zwangsläufig ein wenig philosophisch. Natürlich scheint ein langes Leben erstrebenswert – aber was ist mit einem endlos langen Leben? Müsste das nicht irgendwann frustrierend sein?

Irgendwann hat man alles erlebt, alles gefühlt, alles getan.

Irgendwann sieht man die Menschen immer und immer wieder in die alten neuen Fallen stolpern. Zivilisationen steigen auf und gehen wieder unter. Stolze Reiche werden auf einmal zum Zuhause primitiver Sozialformen.

Es gibt Kriege und das einzige, was sich dabei ändert, ist die Brutalität – die Menschen werden immer effizienter darin, sich gegenseitig abzuschlachten. Manche im Namen von Religionen, die irgendwann ohnehin wieder verschwinden. Manche im Namen von Nationen, deren Namen bald vergessen sind.

Ich stelle mir vor, wie bescheuert das Ganze irgendwann für ein unsterbliches Wesen sein muss, dass die Menschheit nur langsam dazuzulernen scheint. Oder gar nicht. Trotz all der technischen Errungenschaften.

Und darum sind meine Vampire früher oder später neidisch auf das endliche Dasein der Menschen – denn durch die Endlichkeit sind Momente des Glücks auch wirklich wertvoll.

Wie seht ihr das Ganze? Spielen Tod und Verlust bei euch eine Rolle? Bevorzugt ihr als Leser vielleicht Happy-Ends und möglichst wenige Charaktertode? Und welcher Tod hat euch besonders mitgenommen?

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2 Gedanken zu “#LOVEWRITINGCHALLENGE – Tag 18 – Tod und Verlust

  1. Zum Charaktertod weiß ich nur, dass mir immer die Charaktere gefallen, die dann auch recht schnell das zeitliche segnen…immer… (Einer der Gründe, warum ich mich bei Game of Thrones versuche zu weigern irgendwen „gut“ zu finden, auch wenn man dank Spoilern mittlerweile doch ne grobe Ahnung hat, wer noch alles stirbt…)

    Das mit den langsam/nicht alternden Rassen habe ich in der Unbenannten Geschichte auch und irgendwie sind die Ältesten die auftauchen auch mit die Gestörtesten…

    Gefällt 1 Person

    1. Wobei du die Serienspoiler teilweise ignorieren kannst, sofern du auch die Bücher liest. Es ist sehr lustig, weil laut Serienspoiler einige leben, die im Buch längst tot sind und umgekehrt :D.

      Und hehe, die Ältesten = die Gestörtesten finde ich logisch :D.
      Wobei meine Ältesten nur gestört wirken. Aber die denken so schnell, verschlungen und kompliziert, dass man als Normalo einfach nicht mehr durchsteigt…

      Gefällt 1 Person

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